The Counselor

The Counselor ★★★½

Es war einmal das Hausschwein Rudi Grunziger, und dessen Würfe waren erhaben an Qualität, an Klasse, an Zeitlosigkeit.

Seine Würfe waren von einer beneidenswerten Glanzleistung seines Schaffens. Ihre Vielfältigkeit übertraf nur die Flora und Fauna der Erde.

Binnen weniger Jahre, als wäre er dazu geboren Würfe zu bekommen die Zeit seines Lebens die Zuschauer entzückten, sie an den Urtrieben packten, ihnen die geballte, gegen den Himmel gestreckte Faust entlockte, Rudi Grunzinger war ein Meister seines Faches und der Dualität seines Schaffens.

Aber Rudi Grunzinger, der beachtlich lange mit der unaufhörlich voranschreitenden Zeit ging, produzierte, neben einigen Achtungserfolgen seiner gediegenen Tage, zu viele Würfe, würden hier einige anmerken. Würfe deren Glanz alter Tage ermattete, vielleicht sogar abblätterte.

Doch Rudi Grunzinger konnte nicht anders, er war getrieben Würfe zu bekommen, sie uns, den Zuschauern, zu schenken, verpackt in Geschenkpapier und mit einer Schleife verziert.

Einst waren seine Geschenke an uns das Ereignis des Jahres, der Grund über Monate hinweg zapplig, hibbelig, mit den Füßen stampfend auszuharren, sich die Hände zu reiben. War es so weit, die lästige Verpackung als essenzialer Bestanteil des ganzen Prozesses aufgerissen und heruntergerissen, hatte sich das unsägliche Warten wie jede Wartezeit davor gelohnt. Seine Geschenke waren das Ereignis des Jahres.

Das begann sich zu ändern. Die Verpackung der Geschenke war weniger sorgfältig wie zuvor, hatte Falten wie Oma Berta im Gesicht, und hin und wieder fehlte gar die Schleife. Hinzukommend täuschte die Größe der Geschenke über ihren Inhalt, wie sich früher zeigte, war weniger mehr.

Die Enttäuschungen waren berechtigt, waren seine Würfe seltsam aussehende Geschöpfe denen ein Körperteil fehlte oder an der falschen Stelle sich befanden wie die drei Beine anstelle den üblichen zwei. Diese Schwarze Schaffe seiner Würfe begannen wie Würmer den Apfel auszuhöhlen, sein Fundament, seine Erhabenheit auszuhöhlen.

Doch selbst seine Schwarzen Schaffe waren seine Würfe, ob sie dreibeinig waren oder das rechte Ohr sich am Hintern befand, sie waren die seinen, aus seinem Fleisch gehauen wie die Skulptur aus den Händen des Bildhauers. Wie missgestaltet, wie ermattet sie waren und die besonders verunglückten Würfe wahrlich zum fürchten aussahen, sie waren seine Kinder.


„The Counselor“ ist so eines seiner Kinder, weder das schönste, das stärkste, noch das harmonischste von seinen zahlreichen Würfen. Wie seine älteren (Ent)würfe, fehlte ihnen die Politur um im Glanz zu erscheinen. Auch wurde der Sockel vergebens gesucht, um über die anderen zu thronen. Ihnen fehlte es an vielem, an das spielend erscheinende ausschütteln der Ärmel um Meilensteine wie „Alien“, „Blade Runner“ oder „Gladiator“ uns zu präsentieren.

Was „The Counselor“ ist, es ist ein Produkt von Ridley Scott, die Basis ist ein Fundament wo andere vergebens überhaupt einen passenden Baugrund suchen. Visuell besticht er mit Wänden die einen von den Widrigkeiten der Umwelt schützen aus Blitz und Donner wie „Norbit“, Stürmen wie „Zack Snyders Justice League“ und wie ein Hagelgewitter wie „West Side Story“. Das um einen sich legende Dach der Geborgen- und der Sicherheit sind die Schauspieler aus Größen wie Michael Fassbender, Brad Pitt, Javier Bardem, Penélope Cruz, Cameron Diaz und vielen anderen die aus einem von den Kritikern zerrissen werdenden Film der, mit der Patina der Zeit, ein grundsolides Einfamilienhaus abgibt.

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