Underwater ★★★★

Herrlich altmodisch gescriptete Monsterposse im Zelluloidgewand eines viel zu teuren Sci-Fi-Spektakels.
Underwater wirft einen direkt in die Action, zieht sich leider im Mittelteil etwas und trumpft mit seinem monströsen letzten Drittel wieder ordentlich auf.
Über den eher pragmatisch gehaltenen Detailgrad der Figuren mag mancher A24- und/oder Arthouse-Connoisseur maulen. Aber immerhin weiß Underwater, wie es um seine Akteure bestellt ist, und verzettelt sich nicht, wie beispielsweise Prometheus oder Covenant darin, dem Zuschauer "Charaktere" näherzubringen, die allen eigentlich scheißegal sind.
Ich habe diese ökonomisch-straffe Figurenzeichnung genossen und halte sie für perfekt für diese Art von Kino. 1min Pathos, 1min Background, reicht, weiter zur eigentlichen Handlung.
Wo wir bei den jüngeren Alien-Teilen sind: Underwater sieht ihnen richtig ähnlich und richtig gut aus. In allem, was er tut. Obwohl natürlich insgesamt Schwachsinn bestätigen sich die vielfach zu lesenden Atteste, Underwater sei ein unterseeischer Alien-Ripoff, in der Optik zumindest teilweise - manche Außenszenen sehen wirklich aus, als befände man sich im All, und nicht in der Tiefsee. Die Kamerarbeit ist in diesen wie vielen anderen Momenten wirklich stark.
Die größte Schwäche des Films ist, wie angedeutet, dass im Vorder- und Mittelteil die Figuren sehr lange durch überflutete Unterseestationen und über den Meeresgrund tappen, ohne dass so richtig etwas passiert - von der üblichen ausgehenden Luft und bedrohlichen Druckverhältnissen mal abgesehen. Ich sehe, wenn einen das langweilt, kann mich aber mit sowas anfreunden, wenn ich weiß dass ich später noch Monsterfiesta bekomme.
Und das Ungeheure, das sich da dann bald tut, ist hervorragend.

Ich glaube, mäßige Kritiken und schlechtes Einspielergebnis sind vor allem dem geschuldet, dass man ~2020 für 50-80 Millionen(!) einfach nicht mehr so etwas Gradlinies drehen kann.
Underwater ist eine ganz bodenständige Geschichte - mäßig dreidimensionale Figuren, isoliert in lebensfeindlicher Umgebung, erleben eine Katastrophe, versuchen sich zu retten, nach und nach sterben die Leute und nach und nach wird mehr vom Monster enthüllt.
Und dabei sieht er aber so aus wie die tiefschürfenden, wahnsinnig intelligenten und tiefsinnigen Sci-Fi-Existenzialismen der letzten Jahre oder wie diese Streifen in denen man permanent durch 80 SuperheldInnen bei der Stange gehalten wird. Das irritiert. Und enttäuscht daher manche. In Ordnung.

Ich liebe den Film.

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