1917

1917 ★★★

Es gibt eine ganze Reihe von Momenten in „1917“, die sind schlicht atemberaubend: die klaustrophobische Hatz durch ein einstürzendes Tunnelsystem. Oder die unfassbare  Finalsequenz. Und eine Szene bei Nacht, nur erhellt vom gleißenden Licht der deutschen Leuchtkugeln. In diesen Momenten wird deutlich, dass „1917“ ein technisches Wunderwerk ist. Und dass er abseits des OneShot-Gimmicks leider kaum funktioniert.

„1917“, dass wurde leider schon im Vorfeld breitgetreten, ist einer der Filme, die als große Plansequenz konzipiert wurden. Laut Sam Mendes, um die Dringlichkeit des Krieges noch besser einzufangen. Aber so spektakulär dieser Effekt auch sein mag, so sehr steht er „1917“ doch im Weg. Zum einen, weil der Effekt anders als in „Birdman“ hier immer weit im Vordergrund steht, sich nicht der Narrative unterordnet, sondern so präsent ist, dass es viel eher wie eine plakative Spielerei wirkt, die regelmäßiges Staunen evozieren soll und wird. Der Dauerzustand „Wie um alles in der Welt haben sie das denn geschafft?“ verdrängt dabei allerdings echte Emotionen oder Suspense.

Mendes‘ Entscheidung, den Film genau SO zu drehen, wird auch nie nachvollziehbar. „Platoon“, „Saving Private Ryan“ selbst ein „Enemy at the Gates“ waren dringlicher, teils imersiver als „1917“, weil dort echte Charaktere echt anmutenden Horror durchleben. Mendes‘ Akteure schlagen sich zwar gut, aber weil sie regelmäßig in Situationen geworfen werden, die wie ein großes Computerspiel wirken, gelang es mir nie einen emotionalen Zugang zu finden.

Und wenn „1917“ dann wieder längere Wege mit banalen Dialogen füllt, um Strecke im doppelten Wortsinn zu machen, weicht dem Staunen über Kamera und inszenatorischen Größenwahn immer öfter auch ein leichtes Gähnen. „1917“ Ist ein technisches Wunder, ja. Aber es wäre dem Film gerechter geworden wenn sich die OneShot-Entscheidung nicht wie ein großes Ego-Ding anfühlen würde, um endlich mal wieder ein paar Oscars abzusahnen.