A Beautiful Day in the Neighborhood

A Beautiful Day in the Neighborhood ★★★★

Ich bin erst sehr schwer reingekommen, konnte mich nicht öffnen. Fred Rogers ist die Sorte Charakter, die ich derart befremdlich finde, dass es regelrechtes Unbehagen auslöst. Scheinbar völlig tiefenentspannt, mit stoischem Blick, immer nett, stets hilfsbereit. Solche Menschen, die gibt‘s doch gar nicht! Oder?

„A Beautiful Day in the Neighborhood“ stellt Rogers mit Lloyd einen Charakter gegenüber, der genau diese Skepsis wiederspiegelt. Und dann öffnet er sich, lässt zu, hinterfragt Rogers‘ Attitüde nicht länger, sondern reflektiert  dessen Glaubenssätze. Plötzlich war auch ich völlig gebannt von dessen Sicht auf die Dinge, war bewegt von der Art und Weise, wie der Film das Seelenleben der Protagonisten aufarbeitet.

Marielle Heller ist ein behutsam inszeniertes, berührend schönes Portrait gelungen, dass sich oftmals mehr wie eine abgefilmte Heilpraxis im Seminar für Selbst- und Nächstenliebe anfühlt. „Mr. Rogers“ ist dabei erstaunlich unkitschig, weil es die angesprochenen Themen ähnlich ernst nimmt, wie es der echte Rogers in seiner TV-Show einst tat. Diesen wiederum zeichnet Heller nicht durchweg heldenhaft, sondern nuanciert und komplex, überlässt dabei viel Interpretationsräume, ohne den Fokus der Handlung zu verlieren.

Ein wundervoller Film, einer der verspielt und ernst zugleich von Helden und Vorbildern erzählt, von einer befremdlichen Kunstfigur, die im Grunde keine ist und irgendwann zu einer Reise ins Ich jedes einzelnen Zuschauers wird, ohne den belehrenden Zeigefinger zu heben. So wie es der echte Rogers tat, den ich hiernach statt befremdlich mittlerweile schwer bemerkenswert finde.