Alien: Covenant

Alien: Covenant ★½

Ridley Scott wiederholt seit Wochen in Interviews rauf und runter, wie unwürdig er sämtliche Fortsetzungen "seines" Alien-Films findet. Wobei - in einigen Artikeln behauptet er wiederum, er habe eigentlich keine davon gesehen. Und Neill Bloomkamps geplanter fünfter Alien-Teil hätte gegen seine Geschichte ohnehin ganz schön abgestunken.

Ob man das nun als gesunde Arroganz, Größenwahn oder langsam einsetzende Alterssenilität einstufen kann, vermag ich nicht zu sagen, aber wenn man derartige Töne spuckt und dann mit einem Film wie "Alien: Covenant" um die Ecke biegt, hält man doch besser den Ball flach. Denn der ist dummerweise mindestens so schwach wie der zutiefst mäßige "Prometheus".

Der größte Fehler liegt meines Erachtens nach bereits in dem Vorhaben, die Herkunft des Aliens erklären zu wollen. "Covenant" gelingt damit mühelos, was "Prometheus" schon andeutete: eines der ikonischten Filmmonster aller Zeiten wird hier vom eigenen Schöpfer entmystifiziert.
Wenn das "Wie" dabei doch wenigstens halbwegs schlüssig wäre. Stattdessen reihen sich wie in "Prometheus" Unmengen von Logikfehlern aneinander, die den kompletten Sinn hinter der Alien-Schöpfung ad absurdum führen. "Covenant" mäandert 2 Stunden weitestgehend auf Schleichfahrt vor sich hin, in denen viel geredet und doch nichts gesagt wird. Egal welche Fragen sich auftun, sie werden nicht beantwortet.
Noch schlimmer ist da nur, dass Scott die vielen offenen Fragen aus "Prometheus" einfach so vom Tisch wischt. In wenigen kurzen Momenten werden ganze Elemente des Vorgängers einfach eliminiert und nie wieder aufgegriffen. Das empfinde ich als regelrechten Verrat am zahlenden Fan.

Rein filmisch geht das dabei schon in Ordnung, wobei das Tempo bzw die Struktur des Drehbuchs stark schwanken. Der Einstieg ist träge, ohne dabei die bedrohliche Stimmung des Erstlings zu erzeugen. Die Optik ist super...klar. Ridley Scotts Steckenpferd. War zu erwarten, wobei ich doch überrascht bin, wie subtil sich das Setdesign wieder dem industriellen Charme des Ur-Klassikers annähert. Michael Fassbender sticht aus dem ansonsten erschreckend blassen Cast klar heraus - das hier ist eindeutig sein Film! Die anderen Charaktere bekommen kaum Raum.
Die Action mopst sich Scott weitestgehend aus den Vorgängern zusammen (die er angeblich nicht gesehen hat...), gepackt hat mich davon nichts. Vor allem der Auftritt des titelgebenden Monsters ist derart plump inszeniert, dass mir fast ein Gähnen entrückt ist. Wirklich gelungen fand ich nur das erste Auftauchen der sogenannten Neomorphs - hier zeigt Scott, dass er sich auf Suspense, Timing und effektive Bildsprache doch noch bestens versteht.

Insgesamt ist "Alien: Covenant" aber sowohl als Fortsetzung zu "Prometheus" und noch viel mehr zu "Alien" eine bittere Enttäuschung. Wie ironisch: ein Film, dessen Hauptthema die Schöpfungsfrage ist, dessen eigenen Schöpfer längst der Funke verlassen hat. Offenbar hat Ridley Scott nie verstanden, warum sein eigener Film damals so gut war. Oder vielleicht hätte er einfach mal die Fortsetzungen gucken sollen - die haben aus seinem Erstling nämlich erst den Mythos gemacht, den er heute mit Füßen tritt.