Army of the Dead

Army of the Dead ★½

Mein Gott, ich weiß gar nicht, wo ich hier anfangen soll. Ich vergesse immer wieder, dass Zack Snyder eigentlich nur dann halbwegs erträgliche Filme zustande gebracht hat, wenn die Vorlage schon existierte. „300“ war schon Panel für Panel gezeichnet, „Watchmen“ sowieso und sein erster, wirklich guter Zombiefilm „Dawn of the Dead“ stammte aus der Feder eines deutlich besseren Regisseurs, James Gunn.

Das hier hat er nun aber komplett selbstständig auf dem Gewissen. Regie, das Skript, Produktion, komplette kreative Freiheit, niemand redet rein - „Army of the Dead“ ist damit Zack in seiner pursten Form. Und weil ihm das niemand Wort für Wort vorgetextet hat, ist es natürlich kompletter Bullshit.

Dass er dafür 150 Minuten braucht, ist mal wieder reines Egotheater. Zack Snyder ist eben kein Mann leiser Töne und schneller Affären. 
Snyder zelebriert sich und seine Figuren ausgiebig und wenn es die Story schon nicht hergibt, wird halt mit SlowMotion nachgeholfen. Snyders Suicide Squad muss sich ja schließlich erstmal finden, bleibt dabei aber fast noch blasser als Deadshot und Konsorten in David Ayers Totaldesaster. 

Persönlichkeit hat hier niemand, die endet bei Snyder schon, wenn er simple Gimmicks und Charactertraits hinter die Figurenbeschreibung setzen kann: „Einer ist der Coole, ein Typ schreit immer so hysterisch, Eine trägt ein Bandana.“ Muss reichen! Dave Bautista guckt hauptsächlich als würde er fortwährend auf Regieanweisungen warten und nuschelt sich ansonsten durch eine Hauptrolle, die un-einprägsamer kaum sein könnte. Wenn am Ende dann sogar emotionale Momente erzwungen werden, laufen die natürlich völlig ins Leere, weil nichts davon ehrlich erarbeitet ist, keine der Figurenkonstellstionen irgendeine Form von Chemie entwickelt.

Ironischerweise sind hier noch die spannendsten Kreaturen die, die ausschließlich stöhnen und sabbern. Snyder hat sich für seine Zombies nämlich was ganz was Frisches ausgedacht - dieselbe Idee, die vor ihm nämlich nur Romeros „Land of the Dead“ hatte. Und „I am Legend“. Und „Fido“. Und „Dead Snow“. Und „Zombi 3“. Und und und.

Zu doof allerdings: die Storyelemente um Zombies mit intelligentem Schwarmverhalten und sozialen Strukturen wird nie wirklich vertieft. Die erste Stunde besteht zwar noch daraus, dass eine blonde Frau unentwegt Exposition in die Kamera aufsagt, von schlafenden Zombies, Opfergaben und Anführern - aber statt das zu zeigen, schubst Snyder sein dröges Ensemble lieber weiter durch weichgezeichnete GreenScreen-Sets, in denen erschreckend wenig passiert. Dass „Army of the Dead“ jedweden Subtext früher Genreklassiker komplett vermissen lässt, muss ich vermutlich gar nicht extra ausführen.

Snyder baut stattdessen lieber fleißig weiter Dinge auf, die dann nie wieder aufgegriffen werden. Ihr erinnert euch an den Typen, der im Trailer mit seiner Kreissäge herumhantiert? Ja nun - die benutzt er nie! 
Ein Charakter wird per YouTube-Video als supereffektiver Zombiekiller dargestellt? Steht später im Zombiegetümmel nur noch am Rand und ballert mit der Uzi ins Off.
Oder, ebenfalls im Trailer, der episch aufgebauschte Supersafe „Götterdämmerung“, für den es unbedingt einen Experten braucht? Lässt sich in 30 Minuten öffnen, ohne jegliche Probleme.

Snyder schneidet noch weitere Aspekte an, irgendwas mit Auffanglagern, ein völlig unnötiger Subplot um drei Geiseln, ein Vater-Tochter-Zerwürfnis und natürlich müssen auch noch fiese Corporate Oberfuzzis in einen Zombiefilm, die gemeine Bioexperimente planen. Oder so. Hier wird besonders deutlich, dass beim Skript niemand mit Sachverstand geholfen hat. Absolut nichts ergibt Sinn und selbst der klägliche Rest ersäuft in den gigantischen Logiklöchern. Die alle zu erläutern würde ewig dauern, besonders beeindruckend ist aber der Oberzombie, der sich nach Belieben einen Helm aus Plotarmor überzieht, den er aber immer nur dann trägt, wenn das Drehbuch das gerade benötigt. 

An dieser Stelle zückt vermutlich der ein oder andere empörte Leser bereits den Buntstift, um mir in ausgewählter Höflichkeit zu erklären: „Story innem Zombiefilm? Braucht doch keiner, du Hirni.“ Euch sei mitgeteilt: wer wegen der Gore-Effekte kommt, kann einerseits direkt ins letzte Drittel vorspulen und es andererseits eigentlich auch komplett lassen, weil hier alles furchtbar handzahm ist. Ein bisschen Gebeiße, ein paar Fleischfetzen, den Rest machen digitale Blutfontänen aus - da war selbst „Shaun of the Dead“ derber und das ist eine Parodie des Genres.

Die das Genre aber immerhin ernst genommen hat. Zack Snyder nimmt aber höchstens sich selbst wahnsinnig ernst. Weshalb er direkt auch noch die Kamera selbst hält - wenn der Größenwahn schon kickt, dann wenigstens richtig. Apropos Größenwahn: Ob der Kamera-Fokus-Sensor ebenfalls ein untotes Eigenleben entwickelt hat oder das absurde Überdrehen der Unschärfe schon als seltsame Zwangsstörung zu werten ist...man weiß es nicht. Jedenfalls kennt Snyder beim Bokeh-Effekt nur zwei Aggregatzustände: „volle Kanne“ oder „JA!“.

Es gäbe noch zig Punkte, die ich hier aufführen könnte: das Casting von Ex-Trump-Protege Sean Spicer (WTF?!?), die seltsam per Reshoot eingefügten GreenScreen-Auftritte von Tig Notaro oder die plumpe Musikauswahl („Zombie“ von den Cranberries...ernsthaft?), aber ehrlich gesagt macht mich das nur müde. „Army of the Dead“ ist das Produkt eines fehlgeleiteten Narzissten - überlang, überteuer, überdumm, über sich.

BeHaind liked this review