Candyman

Candyman ★★★½

„Candyman“ beginnt so unscheinbar und dennoch effektiv wie es nur geht: Die Kamera fährt langsam durch Chicagos nebelverhangene Häuserschluchten. Es ist schwer auszumachen, wo oben, wo unten ist. Die Dichte des Nebels erzeugt Unbehagen, viel mehr aber die Tatsache, dass nicht ersichtlich wird, was genau dahinter liegt. Allein diese, oberflächlich betrachtet simple Einstellung macht deutlich - die Macher wissen genau was sie tun, vor allem kennen und schätzen sie das Quellmaterial.

Als „Candyman“ im Jahr 1992 in die Kinos kam, war dies einer der wenigen Genrebeiträge, für den Horror nicht bloß das Abarbeiten an Klischees und Jumpscares war. Die Macher verlegten die Handlung in eines der Armenviertel Chicagos und schufen damit die perfekte Projektionsfläche, für das Spiel mit der Urangst vor schaurigen Orten. Statt einem dunklen Wald, waren es hier nun die Slums - ein kongenialer Zug, wenn man den sonstigen Oberbau von „Candyman“ bedenkt.

Diese Leinwand aus sozio-politischen Themen bepinselt nun auch die Fortsetzung und das ohne große Umschweife. Regisseurin Nia DaCosta webt von Beginn an einen dichten Teppich bedrückender Spannung, gehüllt in atmosphärische Bilder und darf sich dabei auf ihre erstklassigen Darsteller verlassen. Die Handlung in der Kunstszene anzusiedeln ist ein schöner Verweis auf das Original und öffnet somit nochmal eine zusätzliche Ebene, erzählt von Materialismus und Oberflächlichkeiten.

Dabei vergisst auch dieser Teil seine Wurzeln im Slasherkino nicht und wird bisweilen schön blutig, ohne zur plumpen Blutoper zu werden. Vielmehr legt DaCosta den Fokus auf die Inszenierung - in einer der schönsten Kameraeinstellungen der jüngeren Horrorgeschichte fährt das Bild im Moment des Mordes in die völlige Schwerelose über Chicagos Wohnvierteln, um die traumwandlerische Natur des Geschehens zu untermauern.

Man kann dennoch kritisieren, dass dieser Fortsetzung nicht viel mehr einfällt, als den Mythos nur noch einmal von vorne aufzurollen, statt ihn neu zu erfinden. Viel weiter als die „Trau dich doch“-Prämisse kommt auch dieses Quasi-Reboot nicht. Aber letztlich muss man wohl dankbar sein, dass sich überhaupt jemand einem 30 Jahre alten Klassiker angenommen hat und weiß, damit umzugehen. Und ein paar Impulse für eine mögliche Zukunft mit dem Candyman wären zumindest gegeben. Wenn die so hochatmosphärisch und kurzweilig bleiben, bin ich gerne dabei.