Class Reunion 1.0

Class Reunion 1.0 ½

Til Schweiger-Filme sind immer ein bisschen so wie Turing-Tests für Gehirnamputierte - wer hier ernsthaft laut und ganz unironisch lacht, der hält auch kleine Kätzchen unter Wasser oder nascht heimlich am Fugenkleber im Badezimmer. 

Schweigers-Filme sind dabei nicht einfach nur hohl und unendlich peinlich, sie rasseln auch auf inszenatorischer Ebene immer ganz haarscharf am Verdacht vorbei, von einer Hauptschulklasse im „Werken“-Unterricht zusammen geschustert worden zu sein, ohne dass ihnen jemand erklärt hätte, wie das eigentlich geht. Kein Dialog kommt ohne Schnitte im zweistelligen Bereich aus, verpasst dabei aber trotzdem essenzielle Szenen zu zeigen, von Tempo und Timing hat Schweiger dabei natürlich genauso wenig Ahnung, wie von der Anstandsfrage, wann es Zeit ist, endlich in den unverdienten Ruhestand zu wechseln.

Dummerweise will sich in Deutschland aber niemand sonst finden, der seine Drehbücher so dämlich konzipiert, damit man die dumpfen Rollen mit Schweigers untalentierten Töchtern besetzen kann. Also beehrt uns der Maestro eben im Jahresrythmus selbst mit einer als Komödie getarnten Dauerwerbesendung für jedes erdenkliche Product Placement, die obendrein ganz Schweiger-typisch alle Standards des urdeutschen Deppenkinos bedient: Sexismus, Rassismus, Pipikaka, Wichsen, Hämorrhoiden, dicke Eier - hier ist für jeden mit einem IQ unter Baumrinde was dabei.

Dass all die Figuren im Film allesamt keinen einzigen natürlichen Satz herausbringen, gehört ja quasi ebenfalls fest ins Portfolio. Charaktere sprechen hier lediglich in Postkarten-Phrasen, Influencer-Weisheiten und Social-Media-Wortrythmik und sagen im Grunde ausschließlich Dinge, die kein normaler Mensch in den jeweiligen Situationen je so sagen würde, reagieren so, wie es sich scheinbar nur in Schweigers Wunschvorstellung abspielt.

Mein Favorit: 
Sie: „Bist du mir etwa fremdgegangen?“
Er: „Ja.“
Sie: „Mann ey, wir wollten uns doch treu sein.“
Er: „Aber war nur einmal!“
Sie: „Nagut, aber ab jetzt ist Schluss, ok?“

Problem gelöst!

Das ist alles so ekelhaft verlogen, mit verquerer Moral durchzogen und mies vorgetragen, dass man am liebsten im formschönen Mittelstrahl gen Leinwand kotzen möchte, man kann nur nicht. Dafür ist man schlicht zu sehr damit beschäftigt, sich unentwegt an den Kopf zu fassen, wenn mal wieder eine der beschissenen Slapsticknummern oder lustigen Späßchen aus dem Witzealgorithmus vorgetragen werden, den Schweiger offenbar seit seligen „Manta, Manta“-Zeiten mit sich herumträgt. Aber solange die deutsche Filmförderung bzw. der Steuerzahler blechen ist ja alles gut. Was mich auf die Frage bringt: warum zieht gegen diesen Müll die Wutbürgerschaft eigentlich nicht auf die Straße...?