Color Out of Space

Color Out of Space ★½

Nicolas Cage schreit und brüllt, verdreht sämtliche Gesichtsmuskeln und wenn er ausrastet, dann tut er es mit einer Akzentfarbe, die Donald Trump zu imitieren scheint. Und dann sind da noch Alpakas, die gemolken werden, eine Katze namens G-Punkt (haha...weil Pussy...verstehste..?!) und irgendwann ritzt sich die Tochter zu Heavy Metal-Musik Pentagramme ins Gesicht.

„Die Farbe aus dem All“ gehört zum Lovecraft-Vermächtnis, ist im Original eine Kurzgeschichte und eher stille Erzählung von einem schleichenden Grauen, das mit Worten nicht zu beschreiben ist, von Ausgrenzung und Isolation, von Unausweichlichkeit. Auf wenigen Seiten erzeugt Lovecraft ein lange nachwirkendes Unbehagen, das seinen Geschichten oft inne wohnte. „Die Farbe aus dem All“, der Film, ist nichts von alldem, sondern zäh konstruiert, überlang, bunt, plump und mit einem geradezu ignoranten Missverständnis der Vorlage inszeniert.

Der größte Horror in Lovecrafts Vorlage speiste sich daraus, dass die Charaktere seltsam stoisch, unnatürlich ruhig auf die Ungereimtheiten reagieren. Der Wahnsinn kommt dort schleichend, fast unmerklich, statt sich durch irres Gebrüll, Herumgefuchtel und einen abstrusen Akzent „anzudeuten“. Regisseur Richard Stanley opfert den subtilen Horror aber lieber für dröhnendes Kasperltheater. Denn - was könnte irrsinniger sein, als Nicolas Cage von der Leine zu lassen.

Cage, der in den vergangenen Jahren mehr und mehr zu einer Karikatur seiner ohnehin schon exzentrischen Persona geworden zu sein scheint, missversteht hier ein weiteres Mal seine Rolle völlig. Statt einen gepeinigten Mann zu zeichnen, der gerade seine Familie zu verlieren droht, lässt er wieder nur manisch sämtliche Gliedmaßen rotieren, die nicht angeschweißt sind und macht damit jeglichen emotionalen Zugang praktisch unmöglich. Nichts am Schicksal dieser Familie berührt, deren einzelne Mitglieder entweder keine Entfaltung bekommen oder schlichtweg nerven.

Und wo das Grauen im Original letztlich 
ohne große Bluttaten in der Andeutung verweilt, das Phänomen selbst sogar ohne Erklärung auskommen muss, kann sich Richard Stanley natürlich auch hier nicht zurückhalten und macht daraus ein schlockiges Gepansche, das an Brian Yuznas „Society“, Hoopers „Lifeforce“ oder Gordons „From Beyond“ erinnert. Da werden Finger abgetrennt, Tiere verdrehen zu grotesken Fleischbergen ala „The Thing“ und ohne platzende Köpfe geht sowieso schon mal gar nichts.

Nun wäre es per se erstmal nicht falsch, die Vorlage neu zu interpretieren, viele große Klassiker sind aus einem solchen Ansatz hervorgegangen (siehe Cronenbergs „Fliege“), aber Richard Stanley findet für seine Version keine Essenz und erliegt stattdessen dem Irrglauben, Horror wäre schon, den Hintergrund rosa auszuleuchten und Nicolas Cage in die Kamera hyperventilieren zu lassen. Das kann man so machen, gibt’s halt schon alles zum x-ten Mal.

Dann doch lieber „Annihilation“. Der basiert nicht einmal (offiziell) auf Lovecrafts Erzählung, ist aber dennoch um Äonen näher am Stoff als dieses Trashtheater.

BeHaind liked this review