Eighth Grade

Eighth Grade ★★★★

Die Szene im Auto!!! Uff...
Ich hatte als Junge in der achten Klasse mit meinen eigenen Dämonen zu kämpfen. Ich erinnere mich nur noch wage an meine Kindheit, aber was geblieben ist, ist ein tiefes Unbehagen, wenn ich zurück denke. Das Ende der Unschuld, der Umsturz, wenn die kindliche Naivität langsam der Gewissheit weicht, dass im Leben doch nicht alles so einfach ist, wie die Frage, ob ich nun mit dem blauen oder roten Transformer gegen die Turtles kämpfe.

Was ich zuvor nie realisiert habe ist, wie diese Zeit des Umbruchs sein muss, wenn man als junge Frau in eine Welt entlassen wird, in der man (immer noch) auf die Befriedigung niederer Triebe reduziert wird. „Eight Grade“ ist ein Film voller starker Momente, aber dieser eine, im Auto, sticht heraus. Weil er nicht einfach auf nostalgische Schlüsselreize zielt oder verschämt-mitleidiges Nicken evoziert, weil man viele Situationen so oder so ähnlich nur zu gut kennt, sondern weil er brutal ehrlich und ungeschönt eine weitere Ebene aufmacht. Eine, die der abgesicherten Filmphantasie, so lebensnah sie auch sein mag, einen krassen Kontrast entgegen setzt, der die dunkle Realität vorwegnimmt, der sich viele heranwachsende Kinder, vor allem junge Mädchen, stellen müssen. 

In einem Film der vor Charme und Witz stets überzuschwappen droht, kommt so eine Szene einem Nierenhaken gleich. Dass sie sich trotzdem nicht befremdlich im restlichen Gefüge anfühlt, ist ein zusätzliches Exempel für das außerordentliche Gespür von Regie-Debütant Bo Burnham. Der vermischt hier Drama, Komödie, Coming-of-Narrative mit ein paar der erstaunlichsten Dialoge des gesamten Jahres - so echt, so klug beobachtet und punktgenau geschrieben sind sie. Burnham beweist erstaunliche Sensibilität für seine Figuren, weiß aber auch genau, wann ein Moment „unangenehm“ sein muss und wie man ihn wieder auflöst.

„Zum Glück liegt das alles hinter mir“, dachte ich mittendrin einmal, als Hauptfigur Kayla gerade wieder in einer Situation steckt, die ich aus meiner vorpubertären Phase nur all zu gut kenne. Heute ist die damalige Dauernervösität reiner Selbstverständlichkeit gewichen, aber „Eight Grade“ hat mich für anderthalb Stunden wieder in diese Zeit katapultiert. Das gelingt auch, weil die Darsteller, vor allem Elsie Fisher, so glaubhaft aufspielen, dass man oft kaum noch von Schauspiel sprechen mag.

„Eight Grade“ ist ein wundervoll beobachtetes, brillant gespieltes Kleinod, dem ich die Hänger im letzten Drittel gerne verzeihe für die ungewollte Reise in naivere Zeiten mit anderen Problemen. Und einen der schmerzhaftesten Momente des Jahres.