Cortex

Cortex ★½

Deutsches Kino ist und bleibt bis auf seltene Ausnahmen ein „Nein“ für mich. „Cortex“ wird zwar gerade überschwänglich gelobt, der allgemeine Tenor beschränkt sich in den meisten Lobgesängen jedoch auf „Hey, das sieht ja gar nicht wie ein deutscher Film aus!“ - dass das schon reicht um staunende Reaktionen zu evozieren ist dabei vermutlich noch das größte Armutszeugnis. Deshalb ist hier alles brav zer-colorgraded, das was nicht in extremen Closeups zelebriert wird, verschwimmt im Bokeh der völlig überzogenen Tiefenunschärfe.

Regisseur Moritz Bleibtreu nutzt derlei Kameratricks aber nicht, weil sie narrativ motiviert wären oder Intimität oder Bedrückung erzeugen würden, sondern weil er auch mal sowas machen wollte wie die, die richtiges Kino können. „Cortex“ kann mit ähnlich gelagerten Vorbildern nicht mal im Ansatz mithalten, sondern wirkt als hätte jemand David Lynch auf Wish bestellt.

Mein größtes Problem mit „Cortex“ ist, wie wenig mich das alles berührt hat. Die Handlung verwebt gleich mehrere Figurenschicksale, nicht eines davon geht mir nah, weil Bleibtreu nicht versteht, dass Charaktere mehr leisten müssen als zentral im Bildausschnitt zu stehen und melancholisch ins Nichts zu stieren. Im Schnittmassaker kann keine der Handlungsstränge richtig reifen, keine Figur kann sich entfalten. Stattdessen stapelt Bleibtreu wirre Bildabfolgen aufeinander, in die man mit viel gutem Willen irgendeine metaphorische Tiefe interpretieren kann - oder aber man findet das alles einfach furchtbar langweilig.

Ist „Cortex“ nun der deutsche „Tenet“ oder ist es einfach nur Blödsinn? Man weiß es nicht. Wie gesagt...ist letztlich auch egal. Sieht immerhin gut aus.