Glass

Glass ★★½

M. Night Shyamalan war mal ein richtig Guter, weit bevor ihn der eigene Größenwahn, der Hang zu völlig überfrachteten Geschichten und der Drang, allem einen Twist aufzwingen zu müssen, egal wie unnötig oder dusselig dieser ist, langsam die Karriere kosteten. 2000 veröffentlicht er „Unbreakable“, seinen zweiten Mainstream-Beitrag, nur kurz nach dem großen Durchbruch.

„Unbreakable“ ist seiner Zeit weit voraus. Lange vor dem Superhelden-Boom verarbeitet Shyamalan seine Liebe zu Comics in einem stillen Drama, das statt protziger Effekte existenzialistische Fragen abhandelt, dabei die phantastischen Elemente einem realen Setting gegenüber stellt und dies mit großartigen Schauspielleistungen untermauert. Und wie ich das geliebt habe. Immer noch. 

„Split“ entstand über eine Dekade nach seinem Geniestreich und hat bei mir hingegen gar nichts ausgelöst. Die ziellose Story wirkte eher wie ein loser Aufhänger, für die James McAvoy-Show. Die fanden Viele beeindruckend - mich hat sie eher genervt. Der Rest war zahnloses Thriller-Einmaleins. Und einer der abstrusesten Nachschübe der gesamten Filmgeschichte, der ähnlich subtil eingewoben wurde, als würde am Ende von "Titanic" plötzlich der Terminator übers Deck laufen und alle so...WOW!

So - und jetzt: „Glass“. Der zwangsvermählt nun beide Filme mit dem Holzhammer und ein bisschen wirkt das, als würde man einen richtig gut gereiften Wein mit 'ner Dose Ahoi-Brause mischen. „Glass“ hat immer wieder richtig helle Momente; und zwar exakt jene, in denen Elemente aus „Unbreakable“ aufgegriffen werden. Dessen einmaliger Sog wirkt auch heute noch nach, zumal Shyamalan hier und da ein paar schöne Verweise gelingen, sogar die Geschichte clever erweitert.

Leider muss sich der Film das Spotlight aber nicht nur mit „Split“ und dessen eingangs erwähnter McAvoy-Show teilen, sondern trägt auch noch einen dritten Hauptplot, der gar völlig deplatziert wirkt. Nicht nur gelingt es Shyamalan nie, die Stränge homogen zu verweben und lässt damit immer wieder klaffende Lücken entstehen, in denen mindestens einer der Protagonisten dann für 20 Minuten nicht zu sehen ist. Die im Trailer schon ausgiebig angeteaserte Psychiatrie-Chose macht auch ganz einfach keinen Sinn.

Dass die drei Protagonisten sich nun plötzlich alles einbilden sollen und entsprechend geheilt werden müssten, ist ausgemachter Humbug, der in einem ersten Teil vielleicht für angenehme Mystery-Elemente gesorgt hätte. Das hier ist jedoch der faktisch dritte Film - das Publikum weiß längst Bescheid und schluckt diese Storyfährte zu keinem Zeitpunkt.

Trotzdem hält sich „Glass“ mehr als eine Stunde mit der albernen Prämisse auf und packt der ohnehin schon überlangen Lauflänge einen kaum verdaulichen Batzen auf die Waage. Hier und da blitzen immer noch interessante Ansätze durch und auch Shyamalans fähige, inszenatorische Hand ist immer wieder bemerkbar, aber das schmale Budget lässt größere Setpieces nicht zu. Und kleinere Brötchen wollte Shyamalan dann offenbar auch nicht backen.

Am Ende verhebt er sich dann nämlich wieder grandios. Völlig überfrachtet, reitet das Finale plötzlich von einem Twist zum nächsten, endet höchst unbefriedigend und erliegt letztlich dem shyamalan‘schen Größenwahn. Statt sich wie bei „Unbreakable“ in fokussierter Zurückhaltung zu üben, will „Glass“ wieder mehr als die schmale Handlung zu liefern im Stande ist.

Die finale „Überraschung” weckt sogar schlechteste Erinnerungen an “The Village”, “The Happening” oder “Split” - kommt völlig aus dem Nichts und ist dermaßen blöd, wären am Ende die „Lady in the Water“ um die Ecke gebogen oder die Aliens aus „Signs“ mitten im Bild gelandet, ich hätte mich nicht mal großartig gewundert. Was auch immer diesen Regisseur mal zu seinen großen Werken verleitet hat - dieses Talent scheint unwiederbringlich verloren.

BeHaind liked this review