Godzilla: King of the Monsters ★★★★

Was. Für. Ein. Brett.

Irgendwo in der Mitte von "Godzilla 2" gibt es einen Punkt, da wird aus einem brillant fotografierten, aber immer wieder auch beliebigen Blockbuster-Getöse plötzlich ein AB-SO-LU-TES Spektakel. "King of the Monsters" wird mit jeder Minute fast unmerklich besser und entlädt sich am Ende in einem Finale, währenddessen ich immer wieder einen Gedanken hatte: YES! Das hier ist endlich der Film, den ich mir all die Jahre gewünscht habe!

Warum das?

Rückblick: 1997. Das erste amerikanische Remake von "Godzilla" wird angekündigt. Was war ich aufgeregt damals. Die herrlich schrulligen Gummi-Keilereien in groß, mit fettem US-Budget und entsprechenden Effekten - wie großartig das wohl werden würde, dachte ich...uuuuund dann kreischt da plötzlich Matthew Broderick durchs Bild. Das "Godzilla"-Design bringt in Japan wahrscheinlich heute noch Fans zum Lachen, so beschissen sieht die gurkige Echse aus. Dafür gab's immerhin einen werbeträchtigen Hitsong von Puff Daddy. Mehr ist von Roland Emmerichs Fehlversuch nicht hängen geblieben.

2014. Das zweite US-Remake erscheint. Nochmal von vorn, dieses Mal in wesentlich besser. Aber auch dieser "Godzilla" war gerade mal gut genug. Vom titelgebenden Monster ist zu lange nichts zu sehen, auch wenn das Finale dann doch ordentlich fetzt. Aber richtige Begeisterung geht anders.

Und jetzt: "King of the Monsters". Im Original trug diesen Titel 1956 bereits der erste "Godzilla"-Streifen, allerdings nur in der stark abgewandelten US-Schnittfassung, die den Film für das westliche Publikum goutierbar machen sollte. 2019 steht er nun ironischerweise im Titel des Remakes, das der japanischen Vorlage so nah kommt wie nie zuvor.

In Japan war "Gojira" lange Symbol für die Angst vor der zerstörerischen Kraft des Atomzeitalters. Frühe Filme waren eher düster, später folgt der Wandel zum edlen Streiter FÜR die Menschen. Mit dem Sinneswandel kommt ein farbenfroher, leichter Ton, typische Elemente waren tragische Heldentode, wilde Schlachten mit später immer mehr Monstern, ausweglose Situationen und die späte Rettung durch eine neue Superkraft. Immer irgendwie ein bisschen drüber, ein bisschen "too much", aber sehr sympatisch.

"King of the Monsters" gelingt nun der Spagat, den ich nicht mehr für möglich gehalten hatte: die asiatische "Drüber-ness" späterer Monster-Massenschlachten gepaart mit dem humorlosen Ernst der düsteren Episoden und einem Budget, das sonst nur die "Avengers" abheben lässt. Und - meine Güte - es ist so gut! Dieses Finale. Diese Kameraeinstellungen. Diese Bilder. Die Effekte. Ich war für ganz kurze Zeit wieder wie ein kleiner Junge in meinen ersten Kinobesuchen.

Dazu bricht ein Soundtrack aus den Boxen, der klingt, als habe jemand eine Horde schlecht gelaunter Bläser auf die Original-Themen des Ur-Scores losgelassen. Immer wieder lässt Komponist Bear McCreary Variationen alter "Godzilla"-Stücke anklingen, während auf der Leinwand das ganz große Monster-Theater abbrennt.

Nur damit wir uns nicht missverstehen: perfekt ist das hier nicht. Wer über das flammende Inferno hinweg blickt, erkennt einen großen Flickenteppich kleiner bis mittelschwerer Stolpersteine. Den kruden Öko-Terror-Plot, der die Handlung in Fahrt bringt. Die Figuren, die bis auf Kyle Chandler praktisch nur als menschliche Ankerpunkte durchs Bild laufen, damit im Dauergesprenge nicht die Übersicht verloren geht. Und selbst die Monsteranzahl kann man beinahe als Etikettenschwindel bezeichnen - Rodan und Mothra sind ebenfalls nur Nebendarsteller. Dieser Film gehört dem Über-Clash zwischen Godzilla und King Gidorah. Und den hätte man ganz schlicht und einfach nicht besser umsetzen können.

Und mal ehrlich: gibt es einen faireren Deal, als eine Kinokarte für einen Film namens "King of the Monsters" zu kaufen, in dem genau dieser dann den wohl fettesten Krawall der aktuellen Blockbuster-Saison abbrennt. Ich denke nicht.

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