Godzilla vs. Kong

Godzilla vs. Kong ★½

Wenn man aktuell durchs Internet flaniert, findet man allerorts diese gehässigen Videos zum Snyder Cut, in denen Szene für Szene Joss Whedons Verfehlungen ausgebreitet werden. Jeder einzelne Dialog, jeder mies getimte Gag, der mal wieder nicht landen will. Genau daran musste ich bei „Godzilla vs Kong“ denken, ein Film dessen Protagonisten Dinge sagen, über die irgendjemand mal genau so ein Video machen dürfte.

„Godzilla vs Kong“ ist ein ab.sol.utes. Desaster! Ich schreibe das so deutlich, weil ich die beiden vorangegangenen Einzelfilme beider Monster fantastisch fand und eigentlich kaum fassen kann, wie da nur ein Teil später jetzt derartiger Mist entstanden ist. Man kann an „King of the Monsters“ monieren, dass die Monsterkloppe zu oft auf uninteressante menschliche Protagonisten abblendet, aber wenigstens besaß der eine Identität, Herz und Fokus. „Skull Island“ war sogar ohne Abstriche toll. 

Das hier ist ein Clusterfuck sondergleichen, in dem Nichts zusammen passt. Nichts folgt hier einer geraden Linie oder Vision. Die Musik zB klingt nach...Musik, nach irgendwas - ohne roten Faden, ohne Struktur. Einfach nur Töne aneinander gereiht. Laut und da. Tom Holkenborgs überwiegend zielloses Elektro-Getrommel hab ich jetzt eh schon einmal zu oft gehört, aber nach Bear McCrearys brutal gutem Score für „King of the Monsters“ mit einem derart leblosen Gedudel aufzufahren, ist schon bitter.

Aber die Musik ist im Grunde nur das konsequente Echo des restlichen Films, dem jede Struktur und Logik fehlt. In den ersten 10 Minuten wechselt der Handlungsort direkt 10 mal mit, sprunghaft bleibt es bis zum Schluss. Wer hier wann welche Motivationen hat, wird nie ganz klar. Godzilla ist praktisch kaum zu sehen, Kong dafür permanent. Weshalb die Bösewichte böse sind, was die Guten wollen - man weiß es einfach nicht.

Das Drehbuch ist so blöde, dass einem nicht mal mehr die Kraft bleibt, Hilfe zu schreien. Irgendwo zwischen Gebärdensprache-Fuchtelleien, Figuren, die sich durch die Erdkruste zuwinken und Hohlherde-Supertechnologie, die man mit Wasser ausm Kaffeebecher außer Betrieb setzt, ist mir die Lust vergangen, mich über die unverfrorene Dummheit mit der hier jede Handlung, jeder einzelne Dialog geschrieben sind, zu wundern.

Ich habe noch kein, ich wiederhole, kein einziges CGI-Spektakel gesehen, in denen die menschlichen Figuren so egal, so unnötig, so ein- vielleicht sogar un-dimensional sind. Selbst Roland Emmerich kreiert Figuren mit mehr Tiefe. Alexander Skarsgård gibt 4 Stichworte, ist ansonsten verschenkt. Mit den weiblichen Figuren wissen die Autoren wie immer gar nichts anzufangen - die eine staunt ganz viel, die andere ist halt sexy. Punkt. Bei Kyle Chandler fragt man sich, wofür er überhaupt gecastet wurde - 3 Sätze darf er insgesamt sagen und ansonsten aufgeregt durchs Bild laufen. Screentime: wenn’s hoch kommt 2 Minuten.

Den Vogel schießt dann aber der komplett sinnbefreite Subplot um Millie Bobby Brown und Brian Tyree Henry ab. Es ist kaum zu fassen, was für einen Müll diese Figuren von sich geben müssen - Henry wechselt fleißig zwischen wandelndem Comic Relief und „Typ, der die Exposition aufsagt“. Millie schreit, Typ Nummer 3 ist hauptsächlich unwitzig.

Letztlich ist es die Action für die ich mich durchringen konnte, nicht vorher abzuschalten. Wobei selbst die erschreckend zu kurz kommt, weil Regisseur Adam Wingard lieber „The Core“ mit ohne charismatischen Figuren und noch weniger Logik erzählen wollte und die Prämisse seines Films darüber immer wieder vergisst. Und wenn es dann mal brachial wird, fehlt die Power, die Dramatik der direkten Vorgänger.

Nein ernsthaft, was für eine kolossale Enttäuschung. Wobei - was kann man vom Regisseur des „Blair Witch“- und „Death Note“-Remakes schon erwarten? Das hier ist ohne Mühe einer der schlechtesten Blockbuster-Filme die ich seit Langem gesehen habe...

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