Hellboy

Hellboy ★★

„Uns steht die Scheiße jetzt echt bis Oberkante Unterlippe!“, ruft Ian McShane in den Raum und meint damit vermutlich seine eigene Karriere. Für gewöhnlich bucht man den altgedienten Charaktermimen gerne, wenn man dem eigenen Film etwas britische Klasse verleihen möchte, einen Darsteller mit Gravitas braucht. Oder man macht es wie „Hellboy“ und degradiert McShane zum bloßen Stichwortgeber, der unentwegt niveaulosen Schrott von sich geben muss. Wie etwa: „Jetzt zeig, dass du Eier hast und geb der doofen Bitch Saures“.

Genau das ist „Hellboy“. Ein Film, wie von den Protagonisten irgendeiner RTL2-Kuppelshow zusammen gefaselt, die alle mal reihum die dollsten Beleidigungen aufschreiben durften, die ihnen eingefallen sind. Und deshalb kloppt sich David Harbour sichtlich unterfordert von einem austauschbaren Schauplatz zum nächsten, steht irgendwann vor dem mannshohen Monster-Schwein der „Turtles“-Realverfilmung von 1990 und los geht der Proletenkarneval. „Du Arschloch“, schreit Hellboy. „Du Wixxer“, das Schwein. Stammtisch-Dialoge für Hängengebliebene vom letzten Herrentagsausflug sind da manchmal niveauvoller.

Aber: das ist cool und hip. Und was cool und hip ist, dass will die Jugend von heute. Vermutlich. „Hellboy“ ist daher nicht nur ein ganz grundsätzlich unnötiger Aufguss eines Filmes, der schon bei Del Torro nie so recht funktioniert hat, es ist auch noch eines dieser Remakes, die aus den völlig falschen Gründen geschehen. Zurecht gebogen für eine Zielgruppe, die der Film vermutlich nicht einmal interessiert. Unnötig blutig, Gewalt allein aus Selbstzweck. Plumpe Oneliner, die einfach nicht zünden wollen. Ein „fresher“ Soundtrack mit poppigem Rockgeklimper, für den Schuss gute Laune während der Ortswechsel und Überblenden. Und immer wieder Gossenrethorik.

Dass die Handlung unoriginell vor sich hinklimpert, Helden wie Schurken keinerlei Entwicklung durchmachen und viele Plotpunkte förmlich abgehetzt werden, fällt da schon fast nicht mehr ins Gewicht. Dabei gibt es hier und da durchaus ein paar Ansätze, die beinahe als brauchbar durchgehen. Ein paar herrlich-scheußliche Kreaturendesigns. Ein, zwei nette Setpieces (Baba Yaga!). Und...obwohl ne...da endet die Liste auch schon wieder. Originell ist dabei natürlich keine einzige der Ideen, besonders erschreckend ist aber, dass sich tatsächlich nicht ein einziges, ernsthaftes Argument finden lässt, das dieses Reboot überhaupt rechtfertigen würde.

Noch dazu, weil jeder halbwegs brauchbaren Idee mindestens eine fragwürdige Entscheidung gegenüber gestellt wird. Warum macht man sich etwa die Mühe, Kreaturen „practical“, also per Handarbeit zu modellieren - und zerschießt sich dann den Rest mit billigen Effekten und CGI-Blutfontänen? Warum wird der Ton des Films immer wieder gebrochen? Atmosphärischer Grusel im einen Moment, im nächsten walzt dann die dusselige 
Songauswahl wieder jegliche Stimmung nieder.
Und wer zum Teufel castet im Jahr 2019 ernsthaft und völlig unironisch Milla Jovovich für eine der Schlüsselrollen?

„Hellboy“ ist abgesehen von ein paar saftigen Splattereien und ansehnlichen Bildern kaum zu gebrauchen. Als Reboot sogar ein voller Totalausfall. Falls es das Ziel war, das zumindest charmante Original für die Generation ADHS auf den kleinsten, intellektuellen Nenner herunterzudummen, ist aber zumindest das gelungen. Gratulation dafür.