Interceptor

Interceptor

Das Schlimmste an Netflix ist, dass nicht nur Unsummen in höchstens mittelmäßige Filme gesteckt werden, sondern dass falls einer davon dann mal halbwegs erfolgreich ist, bekommen die Beteiligten danach Carte Blanche - heißt: mehr Geld für mehr Unfug, inszenieren dürfen dann die Kumpels, die Ehepartnerin darf die Hauptrolle spielen und die Hauskatze läuft vermutlich irgendwo auch mal durchs Bild.

Willkommen also zum Chris Hemsworth Cinematic Universe, der dank des Netflix-Überraschungserfolges „Extraction“ (inszeniert von seinem Stuntdouble!) nun den Produzenten gibt, Regie führt ein Buddy ohne jede Erfahrung und für ein kleines Cameo war offenbar auch noch Zeit. Und dann ist da noch Elsa Pataky, die im Kino bisher nicht wirklich stattgefunden hat, weil - man kann es schwerlich beschönigen - sie als Schauspielerin bodenlos schlecht spielt. Aber da der Ehemann (Hemsworth) die Shots callt, darf man in „Interceptor“ nun bewundern, weshalb die Dame für gewöhnlich nur in Trashfilmen zu sehen ist.

Nicht missverstehen: „Interceptor“ ist natürlich ebenfalls absoluter Trash, wäre aber eigentlich ganz gerne die gute Version davon. Im Grunde ist das hier nämlich ein Steven-Seagal-Film ohne Steven Seagal, nur hatte halt der auffallend ähnliche „Alarmstufe Rot“ die Güte, neben Seagal oder Erika Eleniak zumindest die Antagonisten mit Top-Schauspielern zu besetzen. „Interceptor“ hat aber halt nur Luke Bracy, der leider ebenfalls völlig versagt. Der Fairness halber muss man sagen, dass hier wirklich sämtliche Rollen furchtbar sind. 

Und um kurz bei „Alarmstufe Rot“ oder ähnlichen „Stirb Langsam“-Klonen der 90er zu bleiben - das waren meist kompetente Actionfilme, deren Quatsch-Drehbücher vom schieren Spektakel übertönt wurden. „Interceptor“ lässt seine Figuren aber lieber endlose Reden schwingen, eine dämlicher geschrieben als die andere, obendrein gibt’s ein buntes Gemisch aller möglichen (sozio)-politischen Messages, einmal fällt sogar das Wort Mansplaining und das Cameo von Chris Hemsworth ist derart scheiße, dass Chubby-Gamer-Thor in „Avengers Endgame“ vielleicht nur noch seine zweitschlechteste Rolle ist.

Falls jemand für die Action einschalten möchte: Don’t! Die Fights sind steif inszeniert, die Schläge haben keinen Impact, die Choreografie ist mehr damit beschäftigt die Kamera möglichst gekonnt durch den Raum zu schieben als die Kämpfer in Szene zu setzen. Sämtliche Außenaufnahmen ertrinken in GreenScreen, die Effekte sind okay, der Look insgesamt billig.

Irgendwie unfair. Gerade als ich mich daran gewöhnt hatte, dass man Filme mit Chris Hemsworth in der Hauptrolle getrost auslassen kann (wenn sie nicht von Ron Howard kommen), dreht er mir durchs Hintertürchen seinen ähnlich untalentierten Freundeskreis an. Ich möchte das nicht!