It Chapter Two

It Chapter Two ★★

Ich muss etwa 10 Jahre alt gewesen sein, als man mir das Buch geschenkt hat. Ich war viel zu jung dafür, damals 1991. Aber ich war begeistert. Das war viel Buch - „ES“, der Roman, fasste gut und gerne 1000 Seiten und mehr. Aber als Kind war das alles was ich brauchte.

Heute, viele Jahre später, haben sich die Vorzeichen etwas gewandelt. Meine Liebe für Horrorfilme hat mich irgendwo auch abgestumpft - zu oft habe ich die immergleichen Jumpscares und Ekeleffekte gesehen, als dass ich mich noch gruseln würde. Auch ich zucke immer noch zusammen, wenn ein lauter Knall im Kino den nächsten Schockmoment einleiten soll, keine Frage. Aber das wäre so, als würde man annehmen, ein Tritt ans Knie tut nicht mehr weh, nur weil der Schmerz ja schon bekannt ist. Lautes Getöse ist und bleibt die billigste und am wenigsten nachhaltige Form des Erschreckens.

Aber - so viel sei schon mal vorweg genommen: Jumpscares sind noch das geringste Problem dieses Films. Während ES 2 auf der Leinwand vor sich hin mäandert, kam eine drängende Frage auf: war Stephen Kings Buch schon immer scheiße oder ist Hollywood nur nicht in der Lage, ein Drehbuch daraus zu zimmern? Vermutlich eher beides.

Figuren unterhalten sich ausschließlich in grausigen Dialogen. Charaktermotivationen oder Entscheidungen sind derart naiv und aufgesetzt, das kann so auch eigentlich nur in den Neunzigern funktionieren. Alles was Bill und Ben und Bla und Co. von sich geben sind Exposition: „Das ist nicht real, ich muss mich zusammenreißen“. „Oh nein, das ist der Unterschlupf von Pennywise“. „Das ist das geheime Ritual um ihn aufzuhalten. Dafür müssen wir XY machen.“ Niemand hier verhält sich wie ein echter Mensch, sondern funktioniert nur als Katalysator für Kings überalterte, teils erschreckend dümmliche Narrative.

Weshalb dieses Martyrium nun auch noch drei volle Stunden andauern muss, erschließt sich mir überhaupt nicht. Entweder der Film ergeht sich in Rückblenden auf den ersten Teil oder er streut die x-te Traumsequenz ein. Ansonsten herrscht narrativer Totalstillstand. Nichts bewegt sich vorwärts, alles ist immer nur Setup für die nächste ungruselige Gruselnummer, für dümmliche aufgesagte Exposition oder einen Witz. Die werden dieses Mal auch mit aller Macht forciert - selbst in lebensbedrohlichen Situationen wird noch über hässliche Frisuren und gefickte Mütter schwadroniert.

Aber echter Horror ist hier ohnehin nicht zu holen. Woher soll die Spannung auch kommen, wenn keiner der Scares wirklich erarbeitet ist. „ES 2“ ergeht sich noch mehr als Teil 1 in endlosen CGI-Kaskaden. Pennywise ist ein Zombie, jetzt eine CGI-Omi, dann ne Spinne oder irgendwas mit Tentakeln. Auf Atmosphäre pfeift die Fortsetzung komplett, irgendwann rauschen die Gruselklischees einfach im Sekundentakt durchs Bild, immer aber schön gebrochen von einem kessen Spruch, damit sich das Publikum sofort wieder sicher fühlen darf. Dabei sind die Stakes doch ohnehin so niedrig, dass man nie um die Figuren bangen muss. Jeder Schockeffekt wird immer und zu jeder Zeit als Halluzination entwertet - weder für die Figuren und schon gar nicht das Publikum geht es hier um etwas.

DAS ist nichts anderes als plumpester Konsenshorror für Leute, die sich eigentlich nie wirklich erschrecken lassen wollten, sondern ins Kino gehen, um auch mal „so einen Horrorfilm gesehen zu haben“. Wie einer dieser billigen Jahrmarktspuks, mit dem Unterschied, dass die zumindest schnell wieder vorbei sind. „ES 2“ ist damit als Remake nicht nur völlig unnötig sondern auch ineffektiv und versagt bei deren Hauptaufgabe - den Stoff zeitgemäß aufzuarbeiten. Das hier ist besser gefilmt und hat bessere Effekte, ist ingesamt aber sogar nochmal schlechter als Teil 1 oder das TV-Original. Und das muss man erstmal schaffen..