Mortal Kombat ★★

Simon McQuoid wird seit Wochen durch den Pressezirkus getrieben, um Promo für sein „Mortal Kombat“-Reboot abzuspulen und dabei fällt immer wieder dieser eine Satz, über den ich einfach nicht hinwegkomme: „Wir haben uns bewusst gegen die Turnier-Struktur entschieden, damit wir noch Material für die Fortsetzung haben.“

McQuoid sagt diesen Satz mit einer nonchalanten Nebensächlichkeit, die klar macht - das ist ihm nicht mal eben so rausgerutscht, das ist ganz ernst gemeintes PR-BlaBla. Vor allem macht es klar, dass es den Machern nicht darum ging erstmal EINEN in sich schlüssigen Film zu ersinnen, sondern direkt die raffgierigen Griffelchen nach der großen Franchise-Kette auszustrecken. Und das finde ich wirklich ekelhaft.

Ich hätte mich natürlich auch an der Aussage stoßen können, dass McQuoid den Videospielen eigentlich nie etwas abgewinnen konnte, aber das kennt man als leidgeplagter Spielefan ja ohnehin. Den wundert dann halt auch nicht mehr wirklich, dass hier für einen Film namens „Mortal Kombat“ erschreckend wenig „Mortal Kombat“ drinsteckt.

McQuoid ist stattdessen was ganz was Cleveres eingefallen. „Was“, so wird er sich das gedacht haben, „wenn wir statt des Turniers...nur das Training dafür zeigen...!“ Katsching! 
Natürlich ist die generelle Struktur (boxen, Dialogpause, wen anderes boxen) EXAKT dieselbe, aber - auch das wird sich McQuoid gedacht haben - vielleicht merkt‘s ja keiner. Noch vor ein paar Wochen, in der Kritik zur Animations-Adaption „Scorpions Revenge“ unkte ich so semi-prophetisch in die Tasten, dass ich nichts Gutes für das Reboot erwarte, aber meine Güte - so gar nix? Keine einzige eigene Idee? Traurig!

Stattdessen dauert es nichtmal 15 Minuten, da war direkt klar - das wird mal wieder nüscht. Zunächst wirkt die Nummer zumindest visuell wertiger als Paul W. S. Andersons charmante Trashtreterei von 1995, aber ach - die Kampfchoreografie kommt ohne Impact und Wucht, die Gewalt ist natürlich nicht handgemacht, sondern ertrinkt in CGI-Blut und dann folgt ein emotionaler Moment, der mal wieder im Morast schlechter Regieentscheidungen ertrinkt. Aber gut kann ja vielleicht noch...

...ne, kann’s nicht. Kurz nach einem Mixed Martial Arts-Fight (bei dem man aufgrund des Schnitttempos eher erraten muss, wie der Kampf gerade verläuft) zwischen Hauptfigur Cole Irgendwas und namenloser Karatetyp 1, wechselt die Szenerie nach Outworld. Da sieht’s aus wie in einem Videospiel von 1997, trist und notdürftig zusammen animiert, während Oberfiesbert Shang Tsung in gruselig schlechtem Make-Up böses Zeug von seinem Thron herabsabbelt. Sub-Zero kommt rein, Shang Tsung sagt irgendwas mit Weltherrschaft, fertig.

Diese gesamte Szene existiert ausschließlich um zu etablieren, dass SubZero, der im Prolog noch unmaskiert zu sehen war, jetzt - halt nicht mehr unmaskiert ist. Punkt. Schnitt zurück ins MartialArts-Studio. „Der Bergdoktor“ im ZDF ist besser geschnitten als dieser Unfug.

Plumpe Exposition-Drops wie diese gibt es in „Mortal Kombat“ alle fünf Minuten, noch bis ins letzte Drittel werden mühsam die Regeln eines Turniers erklärt, das man nie sieht, vorgetragen von Figuren wie Raiden, der absolut gar nichts macht. Die Screentime wird stattdessen auf No-Name-Laiendarsteller aus der Resterampe verteilt. Der Lui Kang Darsteller ist dabei das absolute Highlight - so mies zu spielen, dass das Overacting wie Underacting wirkt...Respekt dafür! Ich war fasziniert und beschämt zugleich.

Klar kann man da nun auch wieder Folgendes konstatieren: „Es gibt Karate und rausgerissene Herzen - mit 3 Bier und Popcorn ist das bestimmt witzig.“ Man kann das aber auch einfach mal lassen, weil genau solche Sichtweisen, McQuoid und sein Studio zu Aussagen wie denen am Anfang führen. Und eine Fortsetzung hiervon? Um Himmels Willen! Dann doch lieber das Original von W.S. Anderson in Dauerschleife.