Navalny

Navalny ★★½

Schwierig. Auf der einen Seite brandaktuelles Thema, das noch einmal Licht auf einen der unglaublichsten Politskandale der jüngsten Zeit wirft. Auf der anderen als Doku beinahe überflüssig und als politische Beobachtung gefährlich unreflektiert.

Wer die mediale Berichterstattung über Alexei Navalny ab 2020 auch nur ansatzweise verfolgt hat, erfährt hier nahezu nichts, was eine kurze Googlesuche nicht ebenfalls zu Tage fördern würde. Erstaunlicherweise erfährt man noch am Wenigsten über Navalny selbst, obwohl der fleißig in die Kamera flachst und grinst und selbstsicher den Gegner verhöhnt. Dass keine dieser Gesten echt ist, merkt man schnell, dennoch gelingt der Doku nie der Bruch dieser Fassade. 

Viel mehr wirkt die zweistündige Aufarbeitung des Gift-Anschlags und seiner Folgen wie ein Propaganda Piece, ein verklärtes Werbefilmchen für einen Mann, der gerne auch mit der politischen Rechtsaußen sympathisiert, der zwar fleißig gegen „die Diebe da oben“ auf Demonstrationen schießt, dem von politischen Beobachtern aber der nahezu völlige Verzicht auf echte Argumente oder gar Lösungsansätze nachgesagt wird. Auch diese Doku erweitert meinen Horizont diesbezüglich nicht - „Navalny“ spart klare Statements entweder bewusst aus oder kümmert sich nicht darum, was in einer politischen Doku eine gehörige Redflag ist.

„Navalny“ gelingt viel mehr das Kunststück, die titelgebende Figur mit fortschreitender Laufzeit immer unsympathischer wirken zu lassen - Alexei Navalny wirkt wie ein radikalisierter Schreihals, der vor lauter narzisstischer Verblendung gar nicht merkt, dass er auf seinem medial durch inszenierten Weg zum Märtyrertod am Wegesrand nur Opfer erzeugt - Kollegen, seine Familie und letztlich sich selbst. Das könnte durchaus als Psychogramm des „Aktivisten“ durchgehen, wenn mir die Doku nicht in einer Tour erklären würde, dass hier der uneingeschränkte Kampf für das Gute gefochten wird. Wie auch immer das aussehen mag.

Dann lieber selbst informieren. Hier werdet ihr nur manipuliert.