Nobody ★★★

„Wo wollen die mit der Nummer eigentlich hin?“, ein Gedanke, der mir gleich mehrfach während „Nobody“ durch den Kopf ging. Zunächst mal: ich mag Bob Odenkirk als desillusionierten Familienvater sehr, noch mehr sogar als angepissten Actionhelden. Odenkirk ist dann mehr wie Clint Eastwood als Keanu Reeves, stoisch und zynisch, aber das empfinde ich als klare Stärke.

Etwa ab der Hälfte merkt man dann aber, dass „Nobody“ irgendwie der Fokus fehlt. Einerseits spielt das hier teils so streng nach den Regeln des „One Man Army“-Playbooks, das „John Wick“, „Jack Reacher“ oder „The Equalizer“ in den letzten Jahren gekonnt in die Moderne gehievt haben, dass man bisweilen von Plagiatur sprechen möchte. Einzelne Szenen wirken wie herauskopiert und gerade so weit abgewandelt, damit das Legal-Team nicht panisch Alarm schlägt.

Die Momente, in denen „Nobody“ bewusst anders sein möchte, wirken wiederum unbeholfen und wenig durchdacht. Ich mag zB den Ansatz, dass Odenkirks Figur sich regelrecht diebisch über anstehende Gefahrensituationen freut, weil er dann aufdrehen kann. Aber direkt die erste Actionszene ist ein derart grober Kontrast zur bis zu diesem Zeitpunkt aufgebauten Spannung, dass ich regelrecht verwirrt war. Der explosive Moment der genannten Film-Kollegen verpufft dadurch leider.

Dennoch: ich mag, dass der Ton mehr „tongue in cheek“ ist als im verbissenen „John Wick“, dass der affige Machismo aus „Jack Reacher“ clever gebrochen wird und die Action als flüssig-wuchtige Choreografie abläuft, statt wie im „Equalizer“ auf allzu extensive SloMo-Mätzchen zu bauen. Kein Kracher, aber unterhaltsam genug.