Old

Old

Vielleicht bereitet M. Night Shyamalan ja einen letzten, gar unglaublichen Twist vor, bei dem sich am Ende herausstellt, dass seine Karriere in Wirklichkeit ein soziales Experiment war, in dessen Verlauf er sehen wollte, wie lange es dauert bis bis die Leute aufhören, seine Werke zu gucken, wenn die von Film zu Film einfach immer dämlicher werden.

Es wäre dann langsam soweit, das Experiment zu beenden, „Old“ ist nämlich wieder in Regionen vorgedrungen, die man nach „The Happening“ oder „After Earth“ längst überwunden zu haben hoffte. Shyamalans Ego ist wieder voll da und damit eine regelrecht verdrehte Sicht auf sich und seine Fähigkeiten - insbesondere als Autor.

Shyamalan schreibt Dialoge, die es so nur in seinem Kopf gibt, die kein lebendes Wesen so je zu einem anderen sagen würde. Charaktere existieren hier nicht, lediglich Schablonen, die Shyamalan zweckentfremdet, damit irgendwer bis ins letzte Drittel hinein noch Exposition in die Kamera aufsagt. Die Handlung selbst funktioniert so auch maximal auf Länge der Prämisse. Menschen altern rapide…okay, hat der Trailer schon klar gestellt.

Aber statt mit dieser Thematik zu arbeiten, sie als Reflektion tief verankerter, menschlicher Urängste vor dem Alterungsprozess zu begreifen oder meinetwegen gerne auch die Konsequenzen des Alterns als Cronenberg‘schen BodyHorror zu zelebrieren, macht M. Night lieber wieder einen auf Geisterbahn: alles bewegt sich wie auf Schienen, hinter jeder Kurve muss kurz jemand „Buh“ rufen, damit erst am Ende der Fahrt die Realisation eintritt wie banal und dröge das eigentlich gerade war. Und dann Twist - der animatronische Werwolf auf Ebene B ist in Wirklichkeit die Schwester vom Kartenverkäufer. Alle aussteigen bitte!

Shyamalans Darsteller sind mit all dem heillos überfordert, vermutlich würde aber selbst Daniel Day Lewis an Sätzen wie „Ich brauche mein Kalzium!“ verzweifeln. Abseits der Prämisse, die unsere Schablonen-Touris natürlich erst nach 70 Minuten begreifen, gibt es auch einfach nichts womit sich arbeiten ließe. „Old“ funktioniert keine Sekunde länger als der Trailer lang ist, alles darüber hinaus, bis zum abermals hochgradig idiotischen Ende, raubt euch nur unnötig Zeit. Und die ist kostbar - immerhin für diese Erkenntnis ist dieser Blödsinn zu gebrauchen.


Zur Video-Kritik: youtu.be/lX7F3l5D9NQ

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