Red Rocket

Red Rocket ★★★½

Schillernd und laut, fast ein bisschen als hätte jemand die Hauptfigur aus „Uncut Gems“ in „Boogie Nights“ abgesetzt und dann hält der Regisseur von „Florida Project“ die Kamera drauf. Sean Baker schneidet dem Gerede von besseren Leben und Porno-Lifestyle stets die harte Realität der amerikanischen Südstaaten-Tristesse entgegen. Zwischen Trailerparks, Donut-Buden und Industrieschornsteinen wird aus dem American Dream ganz schnell ein zwielichtiger Tagtraum. 

Bakers Trademark, gleichermaßen skurrile wie authentische Charaktere zu zeichnen, weil er die Schauspieler mit Laien von der Straße durchmischt, wirkt auch hier wieder Wunder. So sehr sogar, dass selbst die Hauptfigur Mikey, ein Musterbeispiel für die Sorte soziopatischer Narzissten, die eine Kultur der Selbstdarstellung unweigerlich hervorbringen muss, trotzdem genügend liebenswürdige Züge hat, um irgendwie als Protagonist durchzugehen. Simon Rex spielt irre gut oder aber er spielt sich einfach selbst - die Grenzen sind vermutlich fließend, was die Figur nur noch faszinierender macht. 

„Red Rocket“ ist ein Blick in die Häuser der texanischen Unterschicht, bevölkert mit Slackern, liebenswürdigen Arschlöchern und tieftraurigen Schicksalen, oft todkomisch, teils ganz schön tragisch. Sean Baker interessiert sich leider zu wenig für einige der schillerndsten Figuren oder die wirklich harten Fälle, sondern erzählt zielstrebig von Hauptfigur Mikey. Aber der trägt diesen Film spielend im Alleingang.