Spree ★★

Gesehen beim Shivers Filmfestival der Rocketbeans. Falls ihr auch wollt - hier klicken.

„Spree“ müsste eigentlich genau meine Sorte Film sein: eine scharfe, richtiggehend giftige Kritik am Social Media-Wahn um Likes und Anerkennung, die einem System, das den Verlust jeder Moral und Menschenwürde fördert und regelrecht zelebriert, den Spiegel vorhält..? Immer her damit!

Im Mittelpunkt steht dummerweise eine Figur, die derart kalt und irrational agiert, dass es unmöglich ist, einen emotionalen Zugang zu finden. „Spree“ hat sich so auf seine Prämisse eingeschossen, dass er vollkommen vergisst, die Handlung satirisch zu brechen, zu kommentieren oder genug Tiefe zu injizieren, damit man dem Gezeigten irgendetwas entnehmen kann. So wirkt es tatsächlich einfach nur, als würde man auf YouTube Tanzverbot einschalten, aber hier bringt er halt Leute um, statt Burger zu testen.

„Spree“ wäre vermutlich gerne „Taxi Driver“ oder „Nightcrawler“, der influencende Kurt besitzt aber eben nicht die Doppelbödigkeit, den Subtext von Travis Bickle oder Lou Bloom. Und für ein „Mann beißt Hund“ im Smartphone-Zeitalter ist das Drehbuch einfach zu plump. Letzten Endes ist „Spree“ damit exakt so hohl und egal wie der Influencer-Content, den er zu attackieren versucht.