Suspiria

Suspiria ★★★

Guadagninos Bilder erschaffen einen fast hypnotischen Sog, der gerade in den Tanzszenen einen Rythmus erschafft, der Darstellerinnen und Zuschauer gleichermaßen in Trance rüttelt. „Suspiria“ ist dabei mehr noch als das Original bis unter den Rand mit Subtexten vollgekleistert, lässt dabei viel Raum für Interpretationsfreudige. Vor dem Hintergrund eines geteilten Berlin, in dem RAF-Terror das Staatsgefüge aufrührt, erzählt dieses Remake seine eigene Geschichte von Rebellion, entzweiten Seiten und Neubeginn.

Aber: aller Vielschichtigkeit und zweiter Ebene zum Trotz - wenn ich in einen Horrorfilm gehe, möchte ich trotzdem immer noch einen Horrorfilm sehen. „Suspiria“ ist jedoch über weite Strecken quälend zäh und selbst in Spannungsmomenten schrecklich antiklimatisch. Zu lange passiert hier nichts, nur einmal wird‘s etwas deftiger und am Ende nahezu lachhaft überspitzt - samt trashiger CGI-Blutorgie. Dabei ist eigentlich ausreichend Stimmung da, wie Guadagnino die „alten Damen“ der Tanzschule inszeniert, mit simplen Blicken und Gesten spielt, erzeugt einen fast magnetischen Bann. Aber echtes Grauen kommt irgendwie doch viel zu selten auf.

Vom Original lässt diese Version dabei nur noch Fragmente übrig - Bildsprache, Lichtstimmung und Musik sind hier bei Weitem unaufdringlicher und weniger plakativ, als im Original, was ich aber eher begrüße. Luca Guadagnino sieht sein „Suspiria“ stattdessen als operettenhafte Aufführung - unterteilt in Akte, mit starken Choreografien in wichtigen Schlüsselmomenten. Dass da dann entsprechend Overacting und Expressionismus vorherschen überrascht dann kaum noch, macht den Film aber auch nicht einfacher goutierbar. 

Und so verlässt man nach überlangen zweieinhalb Stunden den Kinosaal, gleichermaßen fasziniert wie gelangweilt, vor allem aber ohne jeglichen Plan, was das jetzt alles sollte. Kann man mutig finden. Oder unnötig. Die Entscheidung darf jeder im Kino selbst suchen.