A Thousand Lines

A Thousand Lines ★½

Eine bissige Mediensatire. Ein entlarvender Journalismus-Thriller. Eine rabenschwarze Komödie. Eine semi-dokumentarische Aufarbeitung, die alle Seiten beleuchtet oder ein brandaktueller Beitrag, der die wahren Begebenheiten nur als Aufhänger nimmt und das Thema Fakenews aufarbeitet - man kann nicht gerade sagen, es hätte wenig Optionen gegeben, um die „Spiegel“-Affäre um Claas Relotius aufzuarbeiten. Bully Herbig hat sich jedoch, wie es sich für gutes, deutsches, also konservativ-banales Kino gehört, für die nickelfarbene Mitte entschieden und…gar nichts inszeniert.

„Tausend Zeilen“ dödelt lieber 95 Minuten als Komödie nach ur-deutscher Bauart um alle heißen Themen herum, beleuchtet rein gar nichts, hat nichts zu Fakenews, Medienbranche oder Claas Relotius zu sagen. Dessen Figur verkommt zum eindimensionalen Antagonisten ohne jedwedes Profil, eine Perspektive auf seine Motive fehlt völlig, Zur Affäre selbst erfährt man nichts, was im „Spiegel“ nicht schon selbst aufgearbeitet worden ist. „Tausend Zeilen“ ist so seicht und sauber und stets darum bemüht, bloß Niemandem auf die Füße zu treten, man könnte meinen, Til Schweiger hätte mal wieder einen seiner Postkarten-Filmchen mit Insta-Filter gedreht, nur jetzt halt als funny Medienthriller.

Warum dann überhaupt das reale Vorbild wählen? Wenn‘s einfach nur darum ging, mal wieder ein deutsches Werk mit Profil abzuliefern, damit sich die Branche bei der nächsten „Bambi“-Verleihung aufgeregt zunicken kann, dann doch einfach gleich irgendwas Eigenes erzählen. Aber ach - Herbig lässt das Relotius-Double im Film ja irgendwann direkt in die Kamera sprechen: „Ihr wollt die Wahrheit doch gar nicht - ihr wollt Unterhaltung.“ Gut, die sieht zwar anders aus, aber mehr als pures Schaukastentheater ist diese Verfilmung dann halt leider auch nicht.

„Tausend Zeilen“ erfüllt als deutsche Produktion aber immerhin alle Standards des Erwartbaren - bieder inszeniert, unwitzig und unspannend, „Tausend Zeilen“ scheitert in allen Genres gleichzeitig. Die wenigen guten Regieeinfälle hat sich Herbig bei besseren Filmemachern wie Adam McKay abgeschaut. Seine eigenen Regiefähigkeiten sind irgendwo beim „Erkan & Stefan“-Film (ja, hat er wirklich gemacht) stehen geblieben, immer wieder reihen sich technische Fehler ins Bild, das ADR ist asynchron, Elias M. Barek spielt mit aller Macht gegen die Vermutung an, er hätte Ahnung vom was er da tut. Aber immerhin - „Tausend Zeilen“ ist bei alledem so konsequent altbacken und lahmarschig, man kann die Korken auf der „Bambi“-Verleihung schon regelrecht knallen hören.

Block or Report