The Empty Man ★★★½

Der Trailer beginnt mit einer Prämisse, die fast lachhaft hanebüchen ist: Wer auf einer Brücke eine leere Flasche findet und dann hineinbläst, der...beschwört den „Empty Man“. Uff. Dazu reicht ein weiterer Blick auf das nichtssagende Poster, den generischen Namen, selbst die Tagline und es wird deutlich - „The Empty Man“ ist eine dieser hohlen Urban-Legend-Nummern, die allesamt nach Schema F funktionieren. „The Bye-Bye Man“, „Slenderman“, „The Midnight Man“ - spannend war das zuletzt 1992 in „Candymans Fluch“.

Das Ding ist: „The Empty Man“ ist nicht ansatzweise vergleichbar mit dieser Sorte Kalkül-Horror, sondern nutzt den, neumodisch mit Creepypasta-Genre bezeichneten, Ansatz eher als Grundlage, die er dann clever untergräbt, regelrecht auf den Kopf stellt, um dem Zuschauer dann die eigentlichen Themen aufzutischen. „The Empty Man“ vermengt Einflüsse des Cosmic-Horror, existenzialistische Gedanken und Psychothrills mit einer atmosphärisch punktgenauen Machart, die für ein Erstlingswerk erstaunlich selbstbewusst wirkt. David Prior hat ein gutes Ohr und Auge für Grusel und Beklemmung, verzichtet dabei dankenswerterweise auf Schocks aus der Retorte.

„The Empty Man“ ist deutlich zu lang, tonal etwas zu uneben, weil das Drehbuch zu viel auf einmal will. „The Empty Man“ ist aber auch ein erfrischend mutiger Meta-Kommentar auf das Genre und wertig gemachter Horrorthriller, den ich nicht habe kommen sehen. Danke dafür auch nochmal an die Marketingabteilung - ihr könnt ja mal gar nix!