The Eyes of Tammy Faye

The Eyes of Tammy Faye ★★★½

„Pam & Tommy - Die Bibelversion“ aka „The Eyes of Tammy Faye“ ist eine Geschichte über zwei schräge Vögel, die sich Hals über Kopf ineinander verlieben und gemeinsam ihrer Leidenschaft nachgehen. Statt Pornofilmen geht‘s hier um religiösen Fanatismus, aber sehr weit entfernt von der kürzlich veröffentlichten Serie über Pamela Anderson und Tommy Lee ist das hier nicht. Auch weil Tammy Faye zunächst als eher einfältig gezeichnet wird und dann in der zweiten Hälfte die große Wandlung durchmacht. 

Ab hier wird „Eyes of Tammy Faye“ immer stärker, weil die Figuren vielschichtiger werden, ein stark feministischer Anstrich die Handlung bestimmt und über toxische Beziehungen erzählt wird, ohne dabei zu schwermütig zu werden. Jessica Chastain spielt das mit einer Inbrunst, die ich ihr gar nicht mehr zugetraut hatte. Die Grenze zum Overacting wird zwar immer wieder gefährlich nah angekratzt, aber Chastain verschwindet regelrecht hinter ihrer Maske.

Das allgemeine Tempo ist ziemlich hoch, immer wieder gehen dadurch wichtige Momente im Trubel unter - die eigentlich hochspannende Genese zu den erfolgreichsten Fernsehpredigern des Landes wird etwa als kurze Montage abgehandelt. Für mich wurde das aber durch starke Charaktermomente aufgefangen. Letztlich ist „Tammy Faye“ die Geschichte zweier Menschen, die glauben sie wären zu Höherem berufen. Die langsame, traurige Erkenntnis, dass auch sie im Grunde nur ganz normale „Sünder“ sind, ohne direktem Draht zu Gott, ist eine zutiefst menschliche. Und genau in diesen Momenten ist der Film echt stark.