The Mitchells vs. The Machines ★★★½

Die gesamte Zeit über werden die Mitchells als außerordentlich dysfunktional und „anders“ beschrieben, aber eigentlich ist die vermeintliche Chaos-Family sogar derart normal, dass es sich mehr so anfühlt, wie in einer dieser Facebook- oder Twitter-Bios, in denen mal wieder jemand über sich selbst feststellt: „Bin ein bisschen verrückt.“ - hier wie dort bleibt es nie mehr als reine Behauptung.

Was nicht heißt, dass diese Familie nicht echt liebenswert wäre, aber so richtig durchdacht oder geradlinig ist die Charakterzeichnung bei keiner der Figuren. Das pubertierende Töchterchen switcht z.B. zwischen clever, leidenschaftlich, naiv, hysterisch und jeder weiteren Gefühlsregung, die das Drehbuch gerade von ihr braucht, relativ wahllos umher. Mutti steht bis kurz vor Schluss eigentlich nur im Bild, das „Weirdeste“ an Sohn Aaron ist, dass er Dinosaurier mag und sich vor Mädels schämt. Ja gut..

Die Liste solcher kleineren bis größeren Unebenheiten ist gar nicht mal so kurz: „The Mitchells..“ ist zu lang, die Storyprogression fällt oft der Gagdichte zum Opfer, bei Gags, von denen längst nicht alle zünden, die Geschichte entbehrt jeder Logik, die Apocalypse-Prämisse kann man selbst als Farce kaum ernst nehmen, die Kritik am digitalen Zeitgeist hätte gern ernsthafter ausfallen können, gerade das Finale ist zu laut, zu drüber, zu viel von allem, die Action manchmal im Fluss des immensen Tempos kaum zu erkennen.

Aber - und das ist ein großes Aber: auch wenn die Geschichte oft uneben strukturiert ist, nimmt sie sich doch auch immer wieder für die richtigen Momente Zeit. Die emotionalen Momente berühren, gerade der Vater-Tochter-Konflikt im Kern ist zum Teil herzergreifend berührend.

Und ja, es mögen nicht alle Gags zünden, aber wenn sie es tun, habe ich mich regelrecht beömmelt. Dieser Hund (!), diese beiden Roboter (!!) und viele viele kleine und große Einfälle, sind oft so viel besser, als das, was im Animationskino in der Regel so passiert. „The Mitchells“ hat ein wunderbares Gefühl für Timing, teils schreiend komische Pointen, clevere Injokes und ein gutes Auge für „physical comedy“ ala „Looney Tunes“.

Der beinahe verbissen auf jugendliche getrimmte Einsatz von Memes und Instragramstickern kann bisweilen nerven, aber im Sog des allgemein hoch-energetischen Tempos werden solche Fragezeichen meist einfach verweht. Der Animationsstil prischt mit einer Geschwindigkeit nach vorne, die sich für Sony Animation seit dem Megaerfolg von „Spiderman: Into the Spiderverse“ spürbar zum favorisierten Standardtemplate entwickelt. 

Ich mochte diese neue Form des Animationskinos schon dort - poppig-knallige Farben, flotte Schnittfolgen, gestochen scharfe Dialogketten, hier ein bisschen Emotion, dort etwas Wahnsinn, dazwischen viel Liebe zum Material und den Figuren. Vor allem der Mut, die abgesteckten Grenzen der Bildkompositionen aufzubrechen, imponiert mir. Man merkt „The Mitchells“ aber auch deutlich an, dass es eine wirklich meisterhafte Hand benötigt, um all diese Komponenten so zu kombinieren, damit es sich nicht in heiße Luft auflöst. Immer wieder schrammt der Film gefährlich nah an dieser Grenze. „Into the Spiderverse“ war diesbezüglich ein Kunstgriff, der ganz offenbar nicht so einfach zu wiederholen ist. „The Mitchells“ kommt in dieser speziellen Form des Genres aber so nah ran wie zuvor kein anderer Kandidat.