The Suicide Squad

The Suicide Squad ★★★

Zur Video-Kritik: youtu.be/HTl0kdcw50o


Einer dieser Filme, mit denen ich mich äußerst schwer tat, weil eigentlich alle Zutaten da sind - ein schräges Ensemble, der Regisseur hat Bock, eine Vision und vom Studio relative kreative Freiheit bekommen. Und der direkte Vorgänger war ein derartiger Flickenteppich…wirklich viel braucht es nicht, um einen besseren Job zu machen.

James Gunn hat sich skurrilerweise dafür entschieden die weitestgehend düstere Stimmung des „Suicide Squad“ komplett nach außen zu kehren und mit „The Suicide Squad“ ein astreines Trashfestival abzuliefern. Mit einer unnötig komplizierten Hauptplotebene und zig Nebenschauplätzen, gefühlten 49 Hauptfiguren und teils aufgezwungener Backstory, damit wenigstens ein paar dieser Antihelden irgendwie greifbar sind.

Bei mir passierte das, was in solchen Fällen immer passiert - ich war raus. Ich finde einfach keine Verbindung zu Figuren, die als wandelnde Comic Relief-Container durch die Szenerie wandeln, ansonsten aber keinerlei Tiefe besitzen. Wenn Gunn dann mit hämischen Grinsen vereinzelte Figuren tatsächlich dem Filmtitel folgend opfert, dann kann ich darüber kaum mehr als die Schultern zucken.

Dabei fand ich John Cenas Peacemaker, den Polka Dot Man, King Shark oder Bloodsport als Figuren schwer interessant, aber - um nur mal bei Cena zu bleiben: der sagt kurz, dass er für Frieden auch Familien abmurksen würde (hat der Trailer gezeigt), redet von Penissen am Strand (auch im Trailer), hat ansonsten aber vielleicht noch drei, vier weitere Szenen, die nicht bereits in zig Werbeclips verbraten wurden. Das ist Charakterzeichnung, die nur auf Trailerlänge existiert und doch bekommt Cena später dann noch eine Entwicklung auf den Leib geschrieben, die sich aus den paar Onelinern davor natürlich null ergibt.

Das und die tonale Wechselhaftigkeit waren für mich die größten Stolpersteine. Es wird schnell deutlich, dass Gunn sich mit dem Drehbuch schwer getan haben muss - die ständigen Wechsel der Figuren, Orte, Zeitebenen und eben tonalen Shifts von witzig, zu blutig, zu ruhig und rührselig, dann wieder Action und manchmal gar alles gleichzeitig…ein bisschen viel auf einmal. Und dann irgendwie nicht, hat Gunn doch mit „Guardians of the Galaxy“ bewiesen, dass ihm solche Ensemble-Poporgien durchaus liegen.

Davon mal ab hat „The Suicide Squad“ auch seine Momente - viele der Witze laufen ins Nichts, aber die Stimmung ist überwiegend leichtfüßig und augenzwinkernd. Das R-Rating wird VOLL ausgeschöpft, der große Bösewicht ist der eigentliche Star des herrlich überdrehten Finales und wenn die Charaktere zumindest den Wunsch erzeugen, dass ich mehr über sie wissen will, dann hat Gunn schon so Einiges richtig gemacht. Die Einzelteile müssten jetzt nur noch besser verwoben werden, dann funktioniert die mögliche Fortsetzung auch ohne Abstriche.

BeHaind liked this review