Velvet Buzzsaw

Velvet Buzzsaw ★½

„Dan Gilroy hat zuvor noch nie einen Film gedreht - das ändert sich ab sofort hoffentlich. Ich kann kaum erwarten, was er als Nächstes macht.“

Zitat Ende. Zu finden am Schluss meiner Filmkritik zu „Nightcrawler“, Dan Gilroys Regiedebüt und dabei dennoch mit einem Selbstverständnis und einer Finesse inszeniert, die nur erahnen ließen, was dieser Mann erst zu Stande bringen würde, wenn sich seine Fähigkeiten richtig ausformen.

Die Antwort ist: nichts! Moment...nichts? Richtig - auf die brillante Medienfarce „Nightcrawler“, die einerseits hintersinnig und klug den modernen TV-Irrsinn vorführte, andererseits mit Lou Bloom den Travis Bickle des neuen Jahrtausends erschuf, folgt nun ein sterbenslangweiliger Horror-Satiren-Social-Commenary-Murks, dem nahezu alle Merkmale abgehen, die Gilroys Erstlingswerk so berauschend wirken ließen.

Auf erinnerungswürdige Charaktere folgt hier ein Schaulaufen leerer Hüllen, die keinerlei Entwicklung durchmachen. Auf die kühle Ästhetik eines „Nightcrawler“ folgen hier Bilder, die wie aus einer TV-Produktion entnommen wirken. Auf scharfzüngige Dialoggefechte folgt hier nun inhaltsleeres Phrasendreschen. Gut - das soll zwar eigentlich die hohle Fassade der Modeindustrie und ihrer Ikonen vorführen, aber dafür brauche ich mich nur 20 Minuten auf die nächste Berliner Fashionweek stellen. Dafür muss ich mich nicht extra zwei Stunden auf Netflix mit aufgeblasenen Nullaussagen fluten lassen.

Dan Gilroy hat abseits der bloßen Wiederholung dieser Manierismen nichts zum Thema beizutragen, was vielleicht sogar die größte Tragödie um „Velvet BuzZz...saw“ darstellt. So vielschichtig und doppelbödig wie seine Charaktere, so finster und bedrückend die Atmosphäre in „Nightcrawler“ waren, mag man sich kaum ausmalen, dass nun derselbe Regisseur das Drehbuch hervorgebracht hat.

Irgendwann wird aus der drögen Dialogeaufsagerei dann ein seltsames Gebilde aus Horror und Satire, ohne dabei auch nur eine Sekunde schaurig oder - fast noch schlimmer - wirklich bissig zu werden. Keiner der Schockmomente erzeugt ernsthaft Grusel, selbst das Gefühl für das richtige Timing seiner Jumpscares geht Gilroy völlig ab. Und für einen satirischen Kommentar fehlt hier völlig die zweite Ebene.

Falls es Gilroys Absicht war, die amerikanische Kunstszene mit möglichst kalten Figuren zu bevölkern, um so das perfekte Spiegelbild einer  oberflächlichen Subkultur zu schaffen, ist ihm das bravurös gelungen. Ist dann halt dummerweise trotzdem scheiße...!