BeHaind has written 72 reviews for films during 2018.

  • Green Book

    Green Book

    ★★★★½

    Man mag mich nostalgisch verklärt nennen, aber so mag ich meine Filme: Kino, so klassisch erzählt, als wäre es 1995. Warmherzig, Charakter-getrieben und im gleichen Maße tragisch wie urkomisch. „Green Book“ verlässt sich klugerweise auf seine zwei brillanten Hauptdarsteller und das starke Drehbuch. Das ist natürlich nicht frei von Klischees und hat zum Thema Rassismus im Grunde auch nicht viel zu erzählen, außer die Stereotype, über die es sich beschweren mag, alle einzeln abzuspulen, aber - hach - meine Augen…

  • Aquaman

    Aquaman

    ★★★

    „Aquaman“ ist wie auf dem Jahrmarkt eine Runde „Break Dance“ fahren - ist definitiv nicht das beste Karussell, aber so bunt und laut und schnell, dass man das irgendwann gar nicht mehr mitkriegt. Oder um es mit einer anderen Analogie zu sagen: stellt euch „Sindbads siebente Reise“ vor, ohne Sindbad, dafür gerebootet als zweieinhalb Stunden Attacke auf alle Sinne - overstuffed, mit einem Drehbuch, in dem nichts wirklich Sinn macht und irgendwann spielt eine grauenerregende RnB-Coverversion von Totos „Africa“. 

    Und…

  • Shoplifters

    Shoplifters

    ★★★★½

    Wundervolles Portrait einer etwas anderen Familie. Warmherzig, brillant gespielt und einfühlsam beobachtet. Wo sich der recht ähnlich gestrickte „Roma“ von Alfonso Cuaron oft in schönen Bildern verliert, dabei aber seltsam kalt bleibt, trifft „Shoplifters“ immer den rechten Nerv. Nicht verpassen!

  • Mortal Engines

    Mortal Engines

    ★★★

    Tatsächlich deutlich besser als die grausigen Trailer erwarten ließen. Sehr fantasievolles Produktionsdesign, schön gefilmte Action, tolle Panoramen und Setpieces machen eine wirklich spaßige erste Filmhälfte aus. Die unzähligen Klischees, blassen Figuren und das penetrant-aufdringliche Foreshadowing fallen da kaum ins Gewicht. 

    Leider schwächelt der hintere Part dann zunehmend. Der Ideenraub im übrigen Blockbuster-Oeuvre wird dann überdeutlich, die Handlung kommt zum erliegen, weil alles nur noch überlanger Showdown ist und am Ende will der Film dann einfach nicht enden. 

    Für eine Buchvorlage hat…

  • Roma

    Roma

    ★★★½

    Auf keinen Film habe ich mich 2018 mehr gefreut. Erfüllen kann „Roma“ die Erwartungen leider nicht zur Gänze. Ich mochte, wie Cuaron seine Bilder mit tausenden kleiner Geschichten füllt. In „Roma“ geschieht nichts einfach nur im Frame - oft im Hintergrund, oft sogar außerhalb des Bildes flieht das alltägliche Leben an der Kamera vorbei. Generell ist Cuarons Kamera (die er dieses Mal direkt selbst bedient) ein Sammelsurium berauschender Einstellungen, die mit einer beeindruckenden Kontrolle über das Medium Film eingefangen werden.…

  • Under the Silver Lake

    Under the Silver Lake

    ★★★★

    Was für ein herrlich weirder Quatsch. Deutlich zu lang, aber dann auch wieder irgendwie nicht. Dafür ist das alles viel zu einfallsreich und verspuhlt. Rechnet mal bösartig-clever mit Hollywood ab, wird dann wieder zur Hommage auf FilmNoir, Lynch und Hitchcock, mittendrin alles voll mit Pop- und Nerdkultur, Horror, Gewalt, Sex und toten Eichhörnchen. Ich hab nichts verstanden und doch jede Sekunde geliebt.

  • Spider-Man: Into the Spider-Verse

    Spider-Man: Into the Spider-Verse

    ★★★★½

    Ich könnte hier jetzt wahnsinnig viel schreiben - oder fast gar nichts. Ich entscheide mich für Letzteres, denn "Into the Spider-Verse" ist ein furioses Spektakel für alle Sinne, das man ohnehin besser selbst erlebt. Ich hab tatsächlich eine Weile überlegt, wann ich das letzte Mal einen Animationsfilm im Kino erlebt habe, der mit sämtlichen anderen Vertretern derart den Boden aufwischt. Die frühen Pixar-Vertreter vielleicht? Eher noch im Animekino? Kaum möglich, Vergleiche zu finden..

    Auch weil "Into the Spider-Verse" herrlich mutig…

  • Bumblebee

    Bumblebee

    ★★

    Aus weitestgehend unerträglichen Zeitlupen-Pornos für Explosionsfetischisten ist nun ein weitestgehend unerträglicher Kindergarten für 14 Jährige mit Dauerkitsch und grottigen Slapstickeinlagen geworden...Danke für gar nichts. Ist es schon zu spät mir Michael Bay zurück zu wünschen?

  • Widows

    Widows

    ★★★½

    „Widows“ ist ein ganz seltsamer Fall von Filmerlebnis - ich empfand den überwiegenden Teil gut bis sehr gut...und doch hatte ich keinen Spaß. Den größten Anteil an dieser Einschätzung hat wohl meine Erwartungshaltung. Die Vorschusslorbeeren (manche schreiben vom Film des Jahres), die Beteiligten und Steve McQueens vorangegangene Arbeit hatten mich ganz Großes erhoffen lassen - dieses Versprechen löst „Widows“ aber nie ein.

    Dabei stimmt hier so Vieles: Die Inszenierung trifft zu weiten Teilen all die richtigen Noten. Der Cast ist…

  • A Simple Favor

    A Simple Favor

    Charaktere, die ich alle abgrundtief gehasst habe, sagen Sachen, die hinten und vorne keinen Sinn ergeben, weil sich das affektierte Krimitheater nie über das Spannungsniveau der letzten Staffel „Familien im Brennpunkt“ erhebt. Grauenhaft kleingeistig und prüde, mies geschrieben und inszeniert. Tut euch einen kleinen Gefallen und lasst die Scheiße sein.

  • Fantastic Beasts: The Crimes of Grindelwald

    Fantastic Beasts: The Crimes of Grindelwald

    ★★½

    Ich bin kein Fan davon, das „Harry Potter“-Franchise fleißig weiter zu melken - soviel direkt vorneweg. Wenn „Crimes of Grindelwald“ mal zum Punkt kommt, dann erinnern viele Kernelemente ermüdend oft an die bereits erzählten Geschichten - der fiese Fiesling, der aus der Obskurität heraus eine Armee von Gleichgesinnten um sich scharrt; der Held wider Willen, der sich als Einziger gegen ihn stellt; der mächtige Schuldirektor, der aus irgendwelchen Gründen nicht in den Kampf eingreifen kann. Kann man durchaus unoriginell finden.…

  • The Favourite

    The Favourite

    ★★★★

    Es ist mir ein Rätsel, wie Yorgos Lanthimos immer wieder dazu in der Lage ist, seine Darsteller Dinge tun und sagen zu lassen, die einerseits urkomisch sein können und andererseits Dinge geschehen lässt, während derer einem dieses Lachen direkt wieder im Halse stecken bleiben möchte. "The Favourite" ist nach "The Lobster" und "Killing of a Sacred Deer" zwar sein bisher zugänglichster Film, aber ganz sicher nicht "gewöhnlich".

    Lanthimos empfiehlt sich dabei abermals als Meister der Kontradiktion. Auf der Leinwand spielen…