BeHaind has written 51 reviews for films during 2020.

  • Wonder Woman 1984

    Wonder Woman 1984

    Treffen sich zwei Archäologinnen. Die eine entziffert gerade ein uraltes Artefakt. Fragt die andere: „Oha, du kannst Latein lesen?“ Daraufhin die Erste: „Haha ja. Sprachen sind sowas wie ein Hobby..“

    Spitzengag, ich weiß. Für jede Party geeignet. Wo Latein doch Grundbestandteil der meisten Archäologiestudiengänge ist - einfach cleverer Humor. Was es aber noch viel witziger macht, ist die Tatsache, dass das gar kein Witz ist. Auch nicht ein bisschen. „Wonder Woman 1984“ ist voll von Dialogen, die ganz unironisch gemeint,…

  • Downhill

    Downhill

    ★★½

    „Marriage Story“ mit Lawinen und Will Ferrell. 

    Die Idee ist richtig klasse - eine Familie gerät in eine lebensbedrohliche Situation, Papa türmt, lässt die Familie stehen und fortan kehren Mutti und der feige Göttergatte die Scherben ihrer Ehe auf. Im schwedischen Original „Höhere Gewalt“ von 2014 spielt sich das zum Teil bitterböse und scharf beobachtet aus, ist vor allem eine kluge Auseinandersetzung mit Geschlechterrollen und missverstandener Männlichkeit. 

    „Downhill“ macht daraus, was ein echtes Remake machen muss - nichts. Die clevere…

  • Sound of Metal

    Sound of Metal

    ★★★★

    Als Hauptfigur Ruben zum ersten Mal bemerkt, dass sein Gehör plötzlich nicht mehr funktioniert, merke ich, wie sich mein Hals zuschnürt und nicht mehr locker lässt. „Sound of Metal“ erzählt derart eindringlich, so ungeschönt und roh wie es ist, von jetzt auf gleich einen der primären Sinne zu verlieren, dass über die Laufzeit eine Beklemmung aufbaut, die sich erst wieder mit der allerletzten Einstellung löst. 

    Riz Ahmed spielt sich dabei förmlich die Seele aus dem Leib, er und der Film…

  • Fatman

    Fatman

    ★★★

    Nettes Konzept, erstaunlich rau und melancholisch umgesetzt. Mel Gibson geht für mich immer, im Alter scheint er vor allem immer besser zu werden. Letztlich verläuft der Ansatz aber ins Leere, weil das hier weder eine saftige Splatterorgie, keine bissige Satire und schon gar kein kultiger Weihnachtsfilm ist. „Fatman“ dümpelt zu lange ohne rechtes Ziel vor sich hin, ohne sich tonal oder genretechnisch festzulegen, weshalb am Ende nicht mehr als „joa, nett“ zu statuieren bleibt.

  • Sky Sharks

    Sky Sharks

    ½

    Schwer zu sagen, was das Schlimmste an „Sky Sharks“ ist - die katastrophal schlechten Splattereffekte oder Eva Habermanns Englisch-Kenntnisse, in jedem Fall darf aber gesagt werden: Nazi-Zombies, die auf genmanipulierten Haien reiten ist als Konzept exakt eine Sekunde lang komisch, dann setzt aber auch direkt die volle Fassungslosigkeit ein. Einfach alles ist hier übel, von den miesen Greenscreen-Sets, der üblen Maske bis zu Eva Habermanns Nacktszene, die offenbar von ihr selbst ins Drehbuch geschrieben wurde, damit sie mal richtig schön die Mumu in die Kamera halten kann.

    Leider die übelste Form von Trash - so scheiße...das es halt scheiße ist.

  • Jiu Jitsu

    Jiu Jitsu

    ½

    Meine Top 3 Highlights aus Jiu Jitsu:

    - Nic Cages Double, dass immer dann zum Einsatz kommt, wenn der Echte nicht frontal mit Gesicht zu sehen ist und dabei nicht mal ansatzweise wie Herr Cage aussieht 
    - Alain Moussi als Ganzes, dessen Gesichtsausdruck durchgängig zwischen „Was mach ich hier eigentlich?“ und „Ich muss auf Toilette“ schwankt
    - Es gibt diese völlig sinnbefreite POV-Sequenz, die dadurch gebrochen wird, weil die Hauptfigur aus dem POV-Shot vor die Kamera herausspringt

    Das und viele…

  • Mank

    Mank

    ★★½

    Scharfzüngig, gewitzt und klug geschrieben, oft beißend zynische Abrechnung mit Hollywoods Studiosystem. Garry Oldman spielt sich wie üblich die Seele aus dem Leib, mein heimlicher Star ist aber Arliss Howard als MGM-Mogul Louis B. Mayer. Der Score von Reznor und Ross ist ein fantastischer Mix aus Old-Hollywood Big Band und atmosphärischen Synth-Klavieranschlägen, der erstaunlich gut das alte und moderne Hollywood vermählt. Und dann ist da die Optik, die Machart - Hintergründe, Studiosets, Ausleuchtung, sogar der Studiohall auf den Stimmen. „Mank“…

  • Potato Salad: Don't Ask!

    Potato Salad: Don't Ask!

    *Diese Kritik erschien 2015 im Original für die Gamestar*

    Szene Wievielauchimmer; Polizeistation; Verhörsituation. Der Polizist fragt: »Sind sie nervös?«, darauf entgegnet der Verhörte: »Nein, Torben - aber danke der Nachfrage«. Verwirrt? Keine Sorge, das klärt sich auf. Zunächst aber: Herzlich Willkommen in der wunderbaren Welt von Kartoffelsalat, dem ersten Kinofilm von und mit all deinen Lieblings-YouTubern, die nun endlich genug Geld zusammen haben, um die inhaltliche und operative Qualität ihrer Videos auch auf die große Leinwand loszulassen.

    Wie witzig es…

  • La Belle Époque

    La Belle Époque

    ★★★½

    Geheimtipp! Toll gespielt und wahnsinnig verspielt geschrieben und inszeniert. Wenn nur die Charaktere nicht durchweg zynisch und toxisch wären. Und trotzdem: So herrlich ur-französisch.

  • Greenland

    Greenland

    Ich schreibe diese Zeilen, während der Film noch läuft. Ich möchte nach Hause. Eine Stunde müsste ich schon überstanden haben, vielleicht mehr - ich weiß nicht mehr. Die Zeit verschwimmt. Seit Filmstart schreien sich pausenlos Leute an, für einen Kometenfilm schlagen erschreckend wenig Kometen ein, wenn überhaupt dann off-screen. Im Fokus steht nämlich, hört hört, das menschliche Drama. Deshalb schreien und heulen alle durcheinander, hüben wird jemand geboxt, drüben ein Supermarkt gelootet - Katastrophen-Einmaleins, aber auf die denkbar nervtötendste Weise.…

  • Mulan

    Mulan

    ★★½

    Zunächst war ich überrascht: die bisherigen Filmkritiken lassen kein gutes Haar an „Mulan“, erwartet hatte ich nach der katastrophalen „König der Löwen“-Realumsetzung ohnehin nicht viel - und doch: die ersten 30, 40 Minuten ist die neueste von Disneys kreativen Bankrotterklärungen gar nicht mal übel. Auch weil sich nicht sklavisch an die Vorlage gehalten wird.

    Auffallend mittelmäßig fallen hier nur die Effekte auf, die durch unnatürliche Beleuchtung und mäßiges Compositing wie ins Bild geklebt wirken. Die Kamera fängt dank guter Ausstattung…

  • Cortex

    Cortex

    ★½

    Deutsches Kino ist und bleibt bis auf seltene Ausnahmen ein „Nein“ für mich. „Cortex“ wird zwar gerade überschwänglich gelobt, der allgemeine Tenor beschränkt sich in den meisten Lobgesängen jedoch auf „Hey, das sieht ja gar nicht wie ein deutscher Film aus!“ - dass das schon reicht um staunende Reaktionen zu evozieren ist dabei vermutlich noch das größte Armutszeugnis. Deshalb ist hier alles brav zer-colorgraded, das was nicht in extremen Closeups zelebriert wird, verschwimmt im Bokeh der völlig überzogenen Tiefenunschärfe.

    Regisseur…