• Those Who Wish Me Dead

    Those Who Wish Me Dead

    ★★½

    Ein Hauptcharakter mit traumatischem Hintergrund. Ein faszinierend schönes, wie gefährliches Natursetting. Ein entfremdeter Freund, der von den Bösewichten gefangen genommen wird. Die ihrerseits einem McGuffin hinterherjagen. Pickäxte, WalkieTalkies und halsbrecherische Stunts in schwindelerregender Höhe - es ist nicht großartig verwunderlich, dass "Those who wish me Dead", Taylor Sheridans lang ersehnter Nachfolger zu "Wind River", gerade mehrfach mit Stallones "Cliffhanger" verglichen wird.

    Sheridans Neuer bedient sich fleißig an dessen Erbe, fischt auch sonst ausgiebig im Genrepool und wirft alles in den…

  • The Woman in the Window

    The Woman in the Window

    Neulich im Netflix-Hauptquartier. Joe Wright stürmt durch die Tür.

    Wright: „Schnell, rufen sie einen Arzt, ich brauche psychologische Hilfe. Ich hab zweimal zu häufig ‚Fenster zum Hof‘ gesehen und halte mich jetzt für Alfred Hitchcock. Dabei hab ich eigentlich völlig den Verstand verloren, zwei Top-Schauspieler zu den miesesten Leistungen ihrer Karriere überredet, die hässlichste Filmkatze der Welt gecastet und jedes Thriller-Stereotyp, das jemals erfunden wurde, zu absolutem Sondermüll vermen...“

    Netflix-Mitarbeiter: „Stop, sie hatten uns bei ‚Arzt‘. Wir kaufen!“

  • Oxygen

    Oxygen

    ★★★

    Recht effektiver, kleiner Single Location-Thriller, dem aufgrund der überdimensionierten Laufzeit von 100 Minuten zu häufig die Puste ausgeht. Melanie Laurent spielt großartig, die Kamera und das ArtDesign sind richtig gut, aber der Plot wirkt arg zurecht konstruiert und läuft dann auf ein eher maues Ende zu.
    Nicht übel, für Netflix-Verhältnisse also fast schon spektakulär gut.

  • Tom Clancy's Without Remorse

    Tom Clancy's Without Remorse

    ★★½

    Ein bisschen irritiert mich schon, dass Stefano Sollima, Regisseur von „Sicario 2“ und Taylor Sheridan, einer der für mich aktuell besten Drehbuchautoren Hollywoods, zu derartigem Durchschnitt überhaupt fähig sind. „Without Remorse“ ist schick bebildert, da wird’s dann aber auch schon eng mit den Vorzügen.

    Die zugrunde liegende Prämisse vom Ex-Militär-Macho, der mal wieder in die Mühlen des Systems geraten ist und sich nun zu des Rätsels Lösung durchwütet, ist so alt wie das Genre selbst. „Without Remorse“ weiß damit kaum…

  • Mortal Kombat

    Mortal Kombat

    ★★

    Simon McQuoid wird seit Wochen durch den Pressezirkus getrieben, um Promo für sein „Mortal Kombat“-Reboot abzuspulen und dabei fällt immer wieder dieser eine Satz, über den ich einfach nicht hinwegkomme: „Wir haben uns bewusst gegen die Turnier-Struktur entschieden, damit wir noch Material für die Fortsetzung haben.“

    McQuoid sagt diesen Satz mit einer nonchalanten Nebensächlichkeit, die klar macht - das ist ihm nicht mal eben so rausgerutscht, das ist ganz ernst gemeintes PR-BlaBla. Vor allem macht es klar, dass es den…

  • Things Heard & Seen

    Things Heard & Seen

    ★½

    Amanda Seyfried hat diese Rolle freiwillig angenommen! F. Murray Abraham sagt all diese Dialoge, ohne dass ihm jemand eine Pistole in den Mund hält!! Jemand hat entschieden das hier auf Netflix zu veröffentlichen!!!

    DAS...ist hier der eigentliche Horror!!!!

  • The Mitchells vs. The Machines

    The Mitchells vs. The Machines

    ★★★½

    Die gesamte Zeit über werden die Mitchells als außerordentlich dysfunktional und „anders“ beschrieben, aber eigentlich ist die vermeintliche Chaos-Family sogar derart normal, dass es sich mehr so anfühlt, wie in einer dieser Facebook- oder Twitter-Bios, in denen mal wieder jemand über sich selbst feststellt: „Bin ein bisschen verrückt.“ - hier wie dort bleibt es nie mehr als reine Behauptung.

    Was nicht heißt, dass diese Familie nicht echt liebenswert wäre, aber so richtig durchdacht oder geradlinig ist die Charakterzeichnung bei keiner…

  • Saint Maud

    Saint Maud

    ★★★½

    Die Bilder sind von albtraumhafter Schönheit, der Score knarzt und sägt wie drei Tage Unwetter und der Castingmanager darf sich für die Auswahl von Morfydd Clark bitte dreifach bejubelt fühlen. „Saint Maud“ ist genau meine Sorte Film - ich liebe Horror, der mir nicht mit Katzen aus dem Wandschrank kommt, sondern schleichend ins Mark kriecht. Ich liebe verdichtete, schaurig-schreckliche Szenengemälde, die gerne auch ohne Monster, Gewaltausbrüche und Schocks auskommen dürfen, wenn dafür ein tiefes Unbehagen aus jeder Einstellung durchsickert. Und…

  • Voyagers

    Voyagers

    ★½

    Ich weiß noch, als ich nach Neil Burgers "Limitless" dachte: "Uh, der Regisseur ist spannend - was der wohl als Nächstes macht?"

    Nach "Voyagers" möchte ich das nun nicht mehr wissen.

    Das hier ist "Herr der Fliegen" in schnarchig, zutiefst hanebüchen, plump und unnuanciert. Subtexte werden durch flashige Stockfootage erdrückt, Charaktere sind reine Schablonen, Zeit zum Atmen hat hier weder das Tempo, schon gar nicht die Glaubwürdigkeit. Diese Geschichte von der Natur des Menschen ist allerhöchstens eine Geschichte von der Natur der Ideenlosigkeit und Zweitverwertung großer Klassiker, die im Writing-Staff offenbar niemand verstanden hat.

  • The Kid Detective

    The Kid Detective

    ★★★½

    Schöne Überraschung: „The Kid Detective“ ist ein als zynische Komödie getarnter Neo-Noir-Krimi, der regelrecht frech mit Erwartungen spielt, Tropes auf den Kopf stellt, Genrestandards gleichzeitig bedient und unterminiert, den Hauptcharakter zum Normalo degradiert und am Ende trotzdem einen spannenden Fall auftischt, dessen Ausgang ich nicht habe kommen sehen. Das „Finale“ ist simpel und dennoch effektiv, der Humor teils herrlich subversiv und das Drehbuch traumhaft vertrackt. Ein paar Längen zum Trotz ein richtig kompetentes Regiedebüt.

  • Nobody

    Nobody

    ★★★

    „Wo wollen die mit der Nummer eigentlich hin?“, ein Gedanke, der mir gleich mehrfach während „Nobody“ durch den Kopf ging. Zunächst mal: ich mag Bob Odenkirk als desillusionierten Familienvater sehr, noch mehr sogar als angepissten Actionhelden. Odenkirk ist dann mehr wie Clint Eastwood als Keanu Reeves, stoisch und zynisch, aber das empfinde ich als klare Stärke.

    Etwa ab der Hälfte merkt man dann aber, dass „Nobody“ irgendwie der Fokus fehlt. Einerseits spielt das hier teils so streng nach den Regeln…

  • Final Voyage

    Final Voyage

    ★★★½

    Gesehen beim Shivers Filmfestival der Rocketbeans. Falls ihr auch wollt - hier klicken.

    8 Jahre wurde an „Das letzte Land“ gedreht, mit Hilfe von Kickstarter kamen mickrige 20.000 Euro zusammen, in den Credits habe ich 26 unterschiedliche Personen gezählt. Regisseur Marcel Barion erzählt im kurzen Vorstellungsclip beim Shivers Festival folgerichtig, es habe praktisch an allem gefehlt während der Dreharbeiten.

    Was dem Team jedoch nicht fehlte ist ganz offensichtlich: eine unbedingte Liebe für den Stoff, das Genre, den Film als Ganzes. Für…