• X

    X

    ★★

    Das X markiert den Blödsinn.

    Hier kann ich den Hype mal so gar nicht nachvollziehen: Ti West steht für Horrorkino im Schneckentempo, in dem Atmosphäre bedeutet, dass Nacht ist und Figuren im Schatten stehen. Die Kills sind selbst in späteren „Freitag der 13.“-Sequels expliziter und dann sind da ja noch die Regie“einfälle“. Parallelmontagen, Splitscreen, Vogelperspektiven - nichts davon auch nur einen Hauch mehr als affektierte Spielerei. Der größte Gag ist aber, dass sich „X“ erstmal 50 Minuten Softporno-Vorgeplänkel mit halb zu Ende erzählten Charakteren gönnt und dann auf dem letzten Meter noch die olle Hillbilly-Nummer rauskramt. Puh, ne…lass mal Ti.

  • Firestarter

    Firestarter

    ★½

    Was sagt es aus über den kreativen Status Quo Hollywoods, wenn sich Fließband-Mogul Jason Blumhouse auf der ewigen Jagd nach einem ähnlichen Überraschungshit wie dem „ES“-Remake ausgerechnet Stephen Kings „Firestarter“ vorknöpft, eines seiner eher schwächeren Bücher, das 1984 bereits mit der jungen Drew Barrymore eher schlecht als recht verfilmt wurde? Also mal ganz davon abgesehen, dass die ewige Remake-Drögerie an sich bereits irre nervt - gab es da keine besseren Alternativen?

    Es soll ja die geben, die dem Vorwurf, Blumhouse…

  • Hunter Hunter

    Hunter Hunter

    ★★★

    Direkt als dicker Disclaimer vorangestellt: „Hunter Hunter“ kommt wie „Bone Tomahawk“ ganz fies durch die Hintertür und trampelt dann mit Schmackes auf gängigen Sehgewohnheiten umher. Das hier ist ein Lehrstück in nihilistischer Dauertristesse - die Atmosphäre ist kalt, die Bilder roh und der Grundton tief pessimistisch. Bis auf den tonalen Unterbau gibt es jedoch kaum Plot, den die Macher zwanghaft durch falsche Fährten und einen völlig unnötigen Subplot aufzublähen versuchen. Am mitunter recht zähen Verlauf ändert das aber nichts. Der…

  • Navalny

    Navalny

    ★★½

    Schwierig. Auf der einen Seite brandaktuelles Thema, das noch einmal Licht auf einen der unglaublichsten Politskandale der jüngsten Zeit wirft. Auf der anderen als Doku beinahe überflüssig und als politische Beobachtung gefährlich unreflektiert.

    Wer die mediale Berichterstattung über Alexei Navalny ab 2020 auch nur ansatzweise verfolgt hat, erfährt hier nahezu nichts, was eine kurze Googlesuche nicht ebenfalls zu Tage fördern würde. Erstaunlicherweise erfährt man noch am Wenigsten über Navalny selbst, obwohl der fleißig in die Kamera flachst und grinst und…

  • The Lost City

    The Lost City

    ★★★

    Herrlicher Unfug, der wohlige Erinnerungen an alte Abenteuer-Schinken und Romantic Comedy aus den 80ern evoziert. Ich mochte den Humor, vor allem Channing Tatum, dessen Gespür für Physical Comedy eines der größten Versäumnisse in Hollywood ist - dass der nicht häufiger in solchen Filmen auftaucht ist eine Schande. Sandra Bullock hat ihren Esprit auch noch nicht verloren, zu schade, dass im Gesicht dank „Schönheits“-OP nicht mehr viel geht. Gibt einige Situationen, die von „mehr Mimik“ profitiert hätten. Die Figuren ergeben wenig Sinn, die Handlung schon mal gar nicht, aber Romantic Comedies sind Anno 2022 in der Regel weitaus unsympathischer.

  • Doctor Strange in the Multiverse of Madness

    Doctor Strange in the Multiverse of Madness

    ★★½

    Zur Videokritik: youtu.be/F_Wzk6YOIN8

    Für einen Film der mit „In the Multiverse of Madness“ untertitelt ist, spielt „Doctor Strange 2“ in erstaunlich wenigen dieser Universen. Es ist nur eine von vielen Entscheidungen, die ich am neusten Marvel-Cash-In nicht verstanden habe. Wie etwa die Idee, Sam Raimi als Regisseur zu engagieren, sich dann aber nicht wirklich entscheiden zu können, ob man ihn nun von der Leine lässt oder doch wieder nur dieselbe Nummer wie eh und je inszeniert. In den ersten zwei…

  • Belle

    Belle

    ★★½

    Mädchen liebt Junge, traut sich aber nicht ihn anzusprechen. Junge ist kühl und unnahbar, trägt das Haar Anime-gerecht tief ins Gesicht gezogen. Sie schmachtet, läuft rot an. Er…steht rum und murmelt sich in den nicht vorhandenen Bart.

    Es ist irgendwie erstaunlich wie sehr „Belle“ die üblichen Klischees des Animekinos abgrast, wo die Geschichte um soziale Medien, Cybermobbing und Realitätsflucht doch super modern sein möchte. Und doch sind die gängigen Rollenbilder, die überzogene Dramatik der Figuren und die quietschenden Sidekicks allgegenwärtig.…

  • 365 Days: This Day

    365 Days: This Day

    ½

    Hach ist das schön: Zwei Menschen (?) sitzen im Sonnenuntergang, beide bildschön, der Typ an der Handfläche tattowiert, sonst nirgends (Redflag!!), sie stiert ihm schwerverliebt auf die bebenden Lippen. Der männliche Hauptdarsteller guckt, als sei die Kokslieferung vom Großhändler nicht eingetroffen, sie ist mal wieder nackig. Und dann, wow, dieser Look - als wäre jemand auf dem Schieberegler des Sepia-Filters von Instagram eingepennt. Alles sieht so schön gleichmäßig aus.

    Dazu klimpern die lieblichen Klänge des Besten was die deutschen Charts…

  • Everything Everywhere All at Once

    Everything Everywhere All at Once

    ★★★

    Selten war ein Titel zutreffender: „Everything Everywhere all at once“ ist alles auf einmal, wild durcheinander gemixt. Martial Arts, Familiendrama, Sci-Fi-Extravaganza, philosophisches Gedankenexperiment. Da ist wieder dieser strange Humor, der wie in „Swiss Army Man“ die Sehgewohnheiten und Humorgrenzen bewusst attackiert und so einen Film voller Ambivalenzen schafft. Charaktere sinnieren in einem Moment über verpasste Entscheidungen ihres Lebens, im nächsten spritzt ein riesiger Strahl Kotze durchs Bild. Das muss man wie bei „Swiss Army Man“ schlucken um hiermit Spaß zu haben.…

  • The Unbearable Weight of Massive Talent

    The Unbearable Weight of Massive Talent

    ★★½

    Ja, ich weiß: das hier ist mit nem doppelten Augenzwinkern erdacht und will wirklich ganz doll Kult werden. Und ja, die Prämisse liest sich als einzelner Satz in der Pressemitteilung schön schmissig weg. Und klar, Nic Cage ist so auf eine weirde Art immer unterhaltsam, selbst in richtig miesen Filmen. Aber nein - mir reicht dieser „hihi, wir sind voll meta“-Ansatz leider nicht.

    „Massive Talent“ ist eigentlich zwei Filme in einem. Der erste erzählt von Nicolas Cage oder zumindest der…

  • Fresh

    Fresh

    ★★

    „Raw“ meats „Promising Young Woman“, abgeschmeckt mit einer ordentlichen Prise „American Psycho“ - und dann hat jemand die Würze vergeigt und die Nummer zu lange kochen lassen. „Fresh“ wirkt wie ein Cocktail vieler Ideen, die andere bereits hatten, ohne die individuelle Klasse der großen Vorbilder zu treffen. Regisseurin Mimi Cave inszeniert auf TV-Niveau, die Dialoge sind teils himmelschreiend realitätsfremd und die Handlung blubbert die meiste Zeit auf mittlerer Hitze im eigenen Saft.

    Geschmacklich fad, unangenehm im Abgang. 
    2 Punkte bei Yelp.

  • The Northman

    The Northman

    ★★★

    Was wurde im Vorfeld getönt: wie groß das Wikinger-Epos sei, das da auf uns zukäme, Hauptdarstellerin Anja Taylor-Joy war sich schon Monate vor dem ersten Trailer sicher, hier gäbe es Dinge zu sehen, die habe das Publikum noch nie erlebt. Und besagter Trailer ist geschnitten wie ein Actionfeuerwerk.

    Zu meinem Erschrecken muss ich mir eingestehen, dass ich mich davon ganz schön an der Nase herumführen lassen habe. „The Northman“ ist im Grunde nämlich allerbanalstes Rache-Einmaleins, das seine Faszination zwar aus…