BeHaind has written 33 reviews for films rated ★★★★ .

  • Promising Young Woman

    Promising Young Woman

    ★★★★

    Gekleidet in BonBon-bunte Farben, fancy Musicbites und toll fotografierte Bilder lässt „Promising Young Women“ zunächst kaum erahnen, dass unter der Oberfläche ein Film lauert, der so wütend, tieftraurig und bitter ist, wie lange kein Werk aus Hollywood. Allein diese brillant konzipierte Metaebene, die clever spiegelt, dass von Frauen jederzeit erwartet wird, die hübsche Fassade zu wahren, während um sie herum alles in Scherben liegt, zeigt wie ernst es den Machern um Regisseurin Emerald Fennell mit ihrer Message ist.

    Klar, manche…

  • Nomadland

    Nomadland

    ★★★★

    Wäre Terrence Malick nicht irgendwann im Schwurbel-Dickicht verloren gegangen, er würde heute vermutlich Filme machen wie Chloe Zhao: naturalistisch, humanistisch und poetisch, ohne leere Phrasenhülsen aus dem Off. „Nomadland“ erzählt sich fast ausschließlich über Momentaufnahmen, über Charaktere und kleine Geschichten, mäandert dabei aber nicht ziellos ins Aus, sondern bleibt stets nah an Francis McDormands Hauptfigur und den bildschönen Landschaftspanoramen. Zhaos Kameramann hat ein fantastisches Auge für kraftvolle Bilder, für Menschen und Emotionen und lässt so ganz nebenbei ein Kaleidoskop unterschiedlichster…

  • Sorry to Bother You

    Sorry to Bother You

    ★★★★

    Haaaach...ich liebe diese Sorte Film! Nach „The Art of Self-Defense“, „Under the Silver Lake“, „The Beach Bum“ endlich wieder bewiesen bekommen, dass ich doch nicht plötzlich meinen Humor verloren habe, sondern eben nur dann richtig laut lachen kann, wenn es völlig abgespaced wird. Stoff-Stop-Motion, sprechende Tiere, Ohringe, die geheime Botschaften übermitteln und einer der besten Gags findet fast diebische Freude daran, die Protagonisten eine absurd lange Zahlenkombination in ein Tastenfeld tippen zu lassen.

    „Sorry to bother you“ ist als hätte Michel…

  • Minari

    Minari

    ★★★★

    Es ist erstaunlich, wie leichtfüßig "Minari" die gängigen Tropes im Familiendrama-Segment umschifft und dabei trotzdem eine relevante, herzergreifende und zeitgenössische Geschichte zu erzählen vermag. Das hier hätte ganz leicht "yet another" Diskrimierungsmarathon werden können, mit Hillbillys, die die fremdartigen Einwanderer beschimpfen, der Familie, die sich gegen Anfeindungen zur Wehr setzt und am Ende doch obsiegt.

    "Minari" ist nicht diese Sorte Film. Ich finde, "Minari" ist nicht einmal eine Geschichte des amerikanischen Traums, wie vielerorts zu lesen ist. "Minari" ist stattdessen…

  • Wolfwalkers

    Wolfwalkers

    ★★★★

    Fast hätte ich mir gewünscht, "Wolfwalkers" noch ein bisschen mehr zu mögen als ich es ohnehin schon tat. Der vierte Film vom Animationsstudio Cartoon Saloon (Die Melodie des Meeres) ist ein Fest für Augen und Herz, die Zeichnungen sind magisch schön, erinnern an Märchenbücher und ein bisschen an Kritzeleien, die ich selbst als Kind aufs Blatt gekrakelt habe. Selbst wenn einige Hintergründe dadurch manchmal etwas krude wirken, entsteht dadurch eine reiche Welt, die - mittlerweile typisch für Cartoon Saloon -…

  • Les Misérables

    Les Misérables

    ★★★★

    Großartige Milieustudie, ernüchternder Statusbericht einer desillusionierten Generation und faszinierender Einblick in Pariser Polizeiarbeit in einem, roh und verdammt lebensnah. Wie „Training Day“ im echten Leben. Ich hätte den schillernden Figuren der Banlieues noch deutlich länger zugucken können, die zweite Filmhälfte verlangt dann aber nach dramatischer Zuspitzung. Die verfehlt ihre Wirkung zwar nicht, „Les Miserables“ verliert dadurch aber etwas vom faszinierenden Straßenflair des Einstiegs. Für einen ersten Langspielfilm ist „Les Miserables“ aber beachtlich selbstbewusst und bildsicher inszeniert. Ehrlicher kann Kino kaum sein.

  • Sound of Metal

    Sound of Metal

    ★★★★

    Als Hauptfigur Ruben zum ersten Mal bemerkt, dass sein Gehör plötzlich nicht mehr funktioniert, merke ich, wie sich mein Hals zuschnürt und nicht mehr locker lässt. „Sound of Metal“ erzählt derart eindringlich, so ungeschönt und roh wie es ist, von jetzt auf gleich einen der primären Sinne zu verlieren, dass über die Laufzeit eine Beklemmung aufbaut, die sich erst wieder mit der allerletzten Einstellung löst. 

    Riz Ahmed spielt sich dabei förmlich die Seele aus dem Leib, er und der Film…

  • The King of Staten Island

    The King of Staten Island

    ★★★★

    Richtig gut geschrieben! Lebensnahe Figuren, herrlich echte Dialoge und strukturell erfrischend fern vom üblichen Comedy-Einerlei. Überhaupt ist „King of Staten Island“ zwar regelmäßig schön bissig, oft sogar brüllend komisch, dabei aber trotzdem tief persönlich und berührend. Pete Davidson ist eine echte Entdeckung, besonders begeistert hat mich aber Bill Burr - selten so pointierte Charakterportraits in einer US-Komödie gesehen.

  • Palm Springs

    Palm Springs

    ★★★★

    Im Programm des Fantasy Filmfest 2020

    Wenn ich eines Tages in eine endlose Zeitschleife geraten sollte, dann am Liebsten während ich gerade „Palm Springs“ gucke und die zuckersüße Dino-Szene läuft. Oder die herrlich zynische Anarcho-Montage im Mittelteil. Eigentlich egal - Hauptsache ich lächle dabei noch einmal so wie beim ersten Screening.

    „Palm Springs“ ist was so viele US-Indiekomödien gern wären. Brillant gepaced, toll geschrieben, mit Dialogen, die gleichermaßen bissig wie schmerzhaft ehrlich sind, mit tollen Gags, die in Textform wie…

  • A Beautiful Day in the Neighborhood

    A Beautiful Day in the Neighborhood

    ★★★★

    Ich bin erst sehr schwer reingekommen, konnte mich nicht öffnen. Fred Rogers ist die Sorte Charakter, die ich derart befremdlich finde, dass es regelrechtes Unbehagen auslöst. Scheinbar völlig tiefenentspannt, mit stoischem Blick, immer nett, stets hilfsbereit. Solche Menschen, die gibt‘s doch gar nicht! Oder?

    „A Beautiful Day in the Neighborhood“ stellt Rogers mit Lloyd einen Charakter gegenüber, der genau diese Skepsis wiederspiegelt. Und dann öffnet er sich, lässt zu, hinterfragt Rogers‘ Attitüde nicht länger, sondern reflektiert  dessen Glaubenssätze. Plötzlich war…

  • The Art of Self-Defense

    The Art of Self-Defense

    ★★★★

    Der Film, für den Jesse Eisenberg auf diese Welt geschickt wurde. Zutiefst weirde, erfrischend smarte und bitterböse Satire, die wie ein wilder Mix aus „Fight Club“, „Karate Kid“ und „Napoleon Dynamite“ auftritt und sich herrlich frech auf Themen wie toxische Männlichkeit stürzt. Mehrfach laut gelacht und nach „Beach Bum“ und „Under the Silver Lake“ der erneute Beweis, dass diese Art von „strange“ genau meinen Geschmacksnerv trifft.

  • Klaus

    Klaus

    ★★★★

    Es ist schon bezeichnend, dass der beste Animationsfilm des Jahres ausgerechnet von einem kleinen Studio in Spanien in traditioneller Zeichentrickkunst gefertigt wurde, dessen Oberhaupt einst Disney verlassen hatte, um Filme wie „Klaus“ zu machen. Die verquere Message (Geschenke/Konsum machen glücklich) mal außen vor ist das ein wundervoller Trip in eine längst vergangene Kinoära voller Herzenswärme, tollem Timing und ganz ohne Tiersidekicks und unsinniges Gesinge.