The Counselor

The Counselor ★★★★½

David Fincher äußerte sich vergangene Woche in einem Interview mit der Zeitschrift The Telegraph stark abwertend gegenüber den Hollywood Studios und kritisierte die mangelnde Risikobereitschaft innerhalb der Filmindustrie, in der nur noch darauf abgezielt wird lupenreine Filme zu produzieren, welche ein möglichst breites Publikum ansprechen.

Warum erwähne ich das? Ridley Scotts The Counselor aus dem Jahr 2013 ist einer dieser Filme, welche die Grenzen des Mainstreams sprengen und dementsprechend von der Mehrheit der Kritiker als Hochglanz Unfug abgestempelt wurde, dabei verbirgt sich hinter der Visualisierung des Skripts vom No Country For Old Men Autor mehr als nur ein Fehlschlag mit prominenter Besetzung.

Im Zentrum des Films steht der Counselor, der namentlich nicht weiter betitelt wird und ein gut situierter, jedoch von Gier getriebener Rechtsanwalt ist. Nachdem er Kontakte in die Unterwelt knüpft, lässt er sich auf ein Geschäft mit den Kartellen ein, welches aufgrund eines Gegenspielers fehlschlägt und der Protagonist in einen Strudel aus Verzweiflung, Gewalt und Hoffnungslosigkeit gerät. Während andere Filme nach und nach ihre Charaktere einführen und versuchen würden ihnen Tiefe zu verleihen, beschränkt sich The Counselor lediglich auf das Oberflächliche. Ein "Wie?" oder "Warum?" wird nur selten erklärt, stattdessen bewegt sich der Film im Rahmen einer Episode, gespickt mit metaphorischen und verschachtelten Dialogen, welche in einem typischen Sonntagabend Blockbuster für fragende Gesichter sorgen würden. Jede Handlung hat Konsequenzen, egal ob noch heute oder morgen, nichts geschieht ohne Gegenwirkung; ungefähr so würde ich die Quintessenz von formulieren. Die Darsteller verkaufen ihre fast schon peripheren Charaktere erstaunlich gut, insbesondere Michael Fassbender und Javier Bardem bleiben in Erinnerung, Brad Pitt ist gewohnt gut, obwohl er nicht sein volles Potenzial nutzt und Cameron Diaz gibt die kühle Nihilistin ohne Moral und Gewissen, die leicht hinter ihren Mitstreitern zurückbleibt.

Audiovisuell gibt es, wie man es von Scott gewohnt ist, nichts zu meckern, auch wenn keine revolutionären Bilder auf die Netzhaut gebrannt werden, sieht der Film gut aus und wirkt absolut stilsicher inszeniert.

The Counselor ist unkonventionelles Kino, welches funktioniert wenn man sich darauf einlassen kann. Sucht man nach Fragmenten des Mainstreams, ist man an der falschen Adresse. Anfangs wusste ich nicht so recht wohin der Film nun führt und mein Interesse drohte in das Gegenteil umzuschlagen, sodass ich den Film nach zehn Minuten für zwei Tage pausierte. Hätte ich es dabei belassen, wäre vermutlich ein Film weniger als Anwärter für meine Top fünf vorhanden, den ich in naher Zukunft defintiv ein zweites Mal schauen werde.

4.5/5

felixgadesmann liked this review