Suspiria

Suspiria ★★★★

Für die einen ist er ein sterbenslangweiliger, sinnfreier Film ohne Inhalt und Aussage. Für andere ist er ein bahnbrechendes Meisterwerk, das seinesgleichen sucht. Man kann definitiv sagen, dass das Remake von Suspiria sehr polarisierend aufgenommen wird und kein Film für jeden ist.
Mir selbst fällt es schwer die passenden Worte zu diesem speziellen Film zu finden. Auch kann ich leider keinen Vergleich mit dem Original von Dario Argento anstellen, da ich dieses bisher noch nicht gesehen habe, was ich aber hoffentlich bald ändern kann.

Ich möchte Suspiria aber keinesfalls seine Qualitäten absprechen. Regisseur Luca Guadagnino hat ein ganz besonderes Werk erschaffen, wie sie nur selten entstehen. Wenn man sich auf den Film einlassen kann, kann man nämlich durchaus ein faszinierendes Filmerlebnis bestaunen, mit einem Film, in dem inhaltlich vielleicht nicht sehr viel passiert, aber dennoch eine ganze Menge passiert. Suspiria spielt im Berlin des Deutschen Herbstes 1977 und zeigt uns die kalten Grautöne der Mauerstadt. Auch wenn es sich hierbei um keinen klassischen Horrorfilm handelt, sondern der Film eher von vereinzelten Horror-Elementen durchzogen ist, hat der Film dennoch eine allgegenwärtige beklemmende, schaurige Atmosphäre bei der sich der Horror schleichend entfaltet bis er schließlich eskaliert.
Wenn es aber richtig gruselig werden soll, entfacht der Film seine volle Wirkung und weiß mit bizarren und verstörenden Momenten zu überzeugen.

Bei einer beachtlichen Laufzeit von zweieinhalb Stunden kann einen der Film durchaus lang vorkommen. Langweilig fand ich ihn trotzdem zu keiner Zeit, dafür empfand ich die wunderschönen und spannenden Aufnahmen und Schauwerte viel zu interessant. Sehr viele Kameraeinstellungen und Aufnahmen stellen richtige Kunstwerke dar. Viele Erklärungen bietet der Film vielleicht nicht, dafür gibt es hier eine enorme Bildsprache, die in ungemein vielen Szenen reichlich Platz für Interpretationen bietet. Irgendwie schafft es der Film zu faszinieren und einen zu berühren. Die Grenze zwischen dem Film und dem Zuschauer verschwimmt förmlich.
Nebenbei erwähnt sind die Tanzchoreografien wirklich großartig. Die intensive, kraftvolle und sonderbare Inszenierung der Tänze zieht einen wahrlich in ihren Bann.
Mit dem Finale des Werkes bekommt man schließlich einen äußerst brutalen, blutigen, absurden, schockierenden, gruseligen und ekligen Höhepunkt geboten.

Vor allem die Schauspieler zeigen hier nicht nur hervorragende Leistungen, sondern sind auch ein Hauptgrund für die intensive, düstere Atmosphäre des Films, bei der einem des Öfteren ein ordentlicher Schauer über den Rücken läuft.
Dakota Johnson spielt absolut großartig und zeigt nicht nur mit ihrem Schauspiel, sondern auch mit ihren Tanzeinlagen vollen Einsatz, der mir allerhöchsten Respekt abverlangt.
Ebenso ist natürlich Tilda Swinton wie gewohnt eine Klasse für sich mit ihrer kraftvollen, hypnotisierenden Ausstrahlung. Zudem spielt sie gleich mehrere Rollen in diesem Film, was vielleicht nicht unbedingt ungewöhnlich nicht. Warum man sich allerdings dafür entschieden hat, sie unter anderem in eine Maske zu stecken und sie die Rolle eines alten Mannes spielen zu lassen, anstatt einfach einen älteren Mann zu engagieren, würde mich doch interessieren.
Chloë Grace Moretz spielt ihren etwas abgedrehten Part genauso herausragend, auch wenn sie leider nicht allzu viel Screentime abbekommen hat.

Suspiria ist kein einfacher Film, den man sich jederzeit anschauen kann. Man muss für ihn in der richtigen Stimmung sein, um sich vollends auf ihn einlassen zu können. Wenn einen dies allerdings gelingt, kann man ein beeindruckendes Kunstwerk serviert bekommen, welches es in dieser Form vermutlich noch nie gegeben hat, dass einen nachhaltig beschäftigt und einen im Gedächtnis bleibt.
Schlussendlich muss man Suspiria aber selbst erleben, um feststellen zu können, ob man damit etwas anfangen kann und wahrscheinlich muss man ihn auch öfter ansehen, um ihn richtig greifen zu können.

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