X-Men: First Class ★★★★½

This review may contain spoilers. I can handle the truth.

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X-Men: Erste Entscheidung (engl. X-Men: First Class)

Der Film, durch den die X-Men Reihe für mich wieder zu alter Stärke zurückgefunden hat. Nachdem Teil 3 und der erste Wolverine Film nicht mit den Vorgängern konkurrieren konnten, bekommt man mit X-Men: Erste Entscheidung alles geboten, was die ersten Filme ausgemacht und so großartig gemacht hatte.

Alleine schon die Anfangssequenz im Konzentrationslager aus dem ersten Film sorgt hier gleich zu Beginn für eine packende und düstere Atmosphäre. Spannend ist, dass dieser Film direkt an der Stelle ansetzt und dann weitererzählt, wie die Nazis versuchen, die Kräfte des jungen Erik zu studieren, der dabei durch tragische Weise mitansehen muss, wie seine Mutter ermordet wird, was auch den Zuschauer nicht kalt lässt. Somit hat einen der Film sofort eingefangen.

Erste Entscheidung hat wirklich aufregende Actionszenen zu bieten, ist an einigen Stellen recht düster und brutal und ist allgemein großartig inszeniert. Allerdings lässt sich der Film neben der ganzen Action immer wieder ausreichend Zeit, um ruhige, schöne und emotionale Momente zwischen den einzelnen Charakteren zu zeigen. Dadurch entsteht eine interessante Dynamik und einige spannende Entwicklungen der Charaktere werden glaubhaft umgesetzt. Somit hebt sich dieses Werk wirklich von vielen anderen Origins Filmen ab.

Das Setting der 60er Jahre wird wirklich charmant und stimmungsvoll dargestellt. Die Kameraarbeit ist überragend und bietet viele aufregende Aufnahmen. Die Geschichte ist durchgehend sehr unterhaltsam. Zudem ist der Soundtrack von Henry Jackman wirklich herausragend und mit vielen richtig schönen Highlights versehen, die das Werk perfekt abrunden.
Ein paar richtig gute Gags hat der Film zudem auch zu bieten. Der Cameo von Wolverine ist beispielsweise einfach nur köstlich.
Das Finale ist in vielerlei Hinsicht spektakulär, spannend, bewegend, hoch dramatisch und durchaus auch überraschend und zeigt uns mit dem Entzweien der beiden Hauptcharaktere und Charles' Lähmung absolute Höhepunkte.

Dass Charles Xavier und Mystique so vertraut miteinander und Geschwister im Geiste sind, ist zwar etwas befremdlich, allerdings ergeben sich so interessante Szenen zwischen den beiden. Kombiniert mit einer sich anbahnenden aber nicht stattfindenen Liebesgeschichte zwischen Mystique und Beast sowie einem ständig dazwischen funkenden Magneto, der die junge Frau schließlich für sich gewinnen kann, wird der Film nicht nur sehr unterhaltsam, er zeigt auch wie man glaubhafte Charakter-Entwicklungen von einem Prequel zum Originalfilm darstellt.

Das Herzstück dieses Werkes bleibt aber die Entwicklung bzw. der tragische Leidensweg von Erik Lehnsherr zu Magneto sowie die Vertiefung der Freundschaft zwischen ihm und Charles Xavier. Wenn diese beiden großartigen Charaktere - gespielt von zwei äußerst talentierten Schauspielern - zusammen auftreten, ist es immer ein Highlight des Films. Es ist schön, dass man sich so viel Zeit für die Freundschaft der beiden lässt.
Der Höhepunkt bildet für mich dabei die emotionale Szene, in der Erik die riesige Satellitenschüssel bewegt, nachdem Charles ihm durch das Aufrufen einer schönen Erinnerung zur Gelassenheit verhelfen konnte. Noch heute bekomme ich bei dieser bewegenden Szene Gänsehaut, die für mich die wunderschönste Szene der gesamten Filmreihe darstellt.

Sicherlich erscheinen manche Mutanten und dessen Fähigkeiten ein wenig albern, dennoch wächst einem die sympathische Superhelden Truppe schnell an's Herz und ihr Training ist wirklich sehr amüsant. Auch für Magneto und Mystique werden hier Sympathien geweckt. Leichte Probleme habe ich nur mit Hank McCoy alias Beast, der mir hier zu viel erfunden haben soll, was wir aus früheren Filmen kennen, wie z.B. Cerebro.
Mit Shaw und Emma Frost bekommt man auch wieder spannende Schurken geboten. Schade ist es, dass es bei Emma Frost für keine weiteren Filme gereicht hat. Denn mit ihren vielen Kräften ist sie eigentlich eine sehr interessante Mutantin, die in den Comics immer sehr mächtig dargestellt wird und dort auch sehr präsent ist. Die Filmreihe wird ihr somit leider nur bedingt gerecht.

Die Schauspieler sind wirklich großartig ausgewählt und leisten unglaublich gute Arbeit. Mit den überragenden Schauspielern Michael Fassbender und James McAvoy hat man die idealen jüngeren Versionen für Magneto und Professor X gefunden. Jennifer Lawrence überzeugt ebenso und im Gegensatz zu den Nachfolgern ist es hier auch noch plausibel, dass Mystique hauptsächlich in ihrer Gestalt zu sehen ist und erst zum Ende ihr wahres Aussehen länger zeigt.
Nicholas Hoult macht seine Sache zwar auch ordentlich, aber richtig passend finde ich ihn als Beast irgendwie nicht. Gerade mit seiner schmächtigen Statur will mir das irgendwie nicht richtig gefallen und während ich Kelsey Grammer als Beast absolut ernst nehmen konnte, finde ich, dass Hoult in seiner Beast Gestalt einfach albern aussieht, auch in seinen grimmigen Momenten.

Kevin Bacon ist als Bösewicht absolut überragend und bringt viel Schwung in den Film. Auch January Jones ist toll als Emma Frost. Zudem empfinde ich Rose Byrne als echte Bereicherung für die Filme.

Kontinuitäts-Probleme
Auch hier passt wieder einiges nicht mit den vorherigen Filmen zusammen, wobei ich dies dem genialen Film absolut verzeihen kann und es auch richtig finde, dass man hier zum Wohle der eigenen Geschichte, vor allem manches aus Der letzte Widerstand und Wolverine ignoriert hat. Beispielsweise konnte Professor X in Szenen aus beiden oben genannten Filmen, die nach Erste Entscheidung spielen, noch laufen und hätte hier somit nicht gelähmt werden dürfen, was dem packenden Finale aber eines bewegenden Moments beraubt hätte. Der erste X-Men hat uns übrigens erklärt, dass Xavier und Magneto zusammen Cerebro entwickelt hätten, während hier Hank McCoy der Erfinder ist, was mir nicht gefällt.
Am auffälligsten wird aber sein, dass uns die ersten drei Filme in keinster Weise irgendeinen Hinweis darauf gegeben haben, dass Charles Xavier und Mystique wie Geschwister zusammen aufgewachsen sind. Auch wenn sie dort nie wirklich aufeinander treffen, wirkt das doch etwas unglaubwürdig.
Emma Frost hat übrigens in X-Men Origins: Wolverine einen Kurzauftritt, gespielt von einer anderen jungen Schauspielerin, wodurch sie durch den zeitlichen Abstand zwischen den beiden Filmen eigentlich in Erste Entscheidung noch ein Kind sein müsste. Aber der Punkt ist kleinlich und eigentlich auch völlig unwichtig.

Fazit
X-Men: Erste Entscheidung
(der englische Titel First Class ergibt nicht nur mehr Sinn, er gefällt mir auch viel besser) ist ein großartiger Superhelden Film. Mit seiner packenden Inszenierung, seinen schönen und emotionalen Momenten, seinem erstklassigen Soundtrack, den spannenden Charakteren und den herausragenden Darstellern liegt er für mich nur knapp hinter meinem Liebling X-Men 2. Das Kunststück, dass Regisseur Matthew Vaughn hier gelungen ist, kann ich gar nicht genug würdigen.