Underwater ★★★½

Alright, we’re going to do this

Bereits 2017 hat William Eubank für 20th Century Fox sein Unterwasser-Creature-Feature abgedreht. Jetzt, 2020, entschied Disney nach der Übernahme des Studios, UNDERWATER im Januar irgendwo zwischen THE GRUDGE und LIKE A BOSS zu releasen. Es ist eine Farce, denn auch wenn UNDERWATER keinen Preis für Innovationen erhalten wird, ist das Werk des THE SIGNAL-Regisseurs ein launiger Blockbuster, der kurzweilig genau das tut, was er tun will und soll: Unterhalten.

Die Story erinnert dabei ein wenig an LIFE (ebenfalls 2017), der damals schon an Genre-Klassiker wie ALIEN angelehnt war: Eine isolierte Crew muss sich einer extremen Situation stellen und überleben, weil irgendwas "da draußen" ist und alle töten will. Dabei hat UNDERWATER gar nicht den Anspruch, dem Genre großartig neues Leben einzuhauchen oder das Rad neu zu erfinden. Das bemerkt man spätestens dann, wenn nach minimalster Exposition bereits die Daumenschreiben angesetzt und dann Stück für Stück angezogen werden, während die Figuren nach und nach abgemurkst werden.

Die Charaktere sind dabei Stereotypen vom alten Kapitän über das stets ängstliche Mäuschen bis zu T.J. Miller als - wen überrascht es - Comic Relief. Allerdings funktionieren die Charaktere dennoch überraschend gut und erfüllen komplett ihren Zweck. Schön: T.J. Miller ist keine reine Witzeschleuder, sondern ein hoffnungslos zynischer Mitarbeiter, der die Lage verzweifelt versucht einzuordnen - nur halt auf seine Art. Richtig herausstechen kann aber eigentlich nur Kristen Stewart. Sie holt aus ihrer Technikerin Norah die maximal mögliche Tiefe heraus, die ihr das Script ermöglicht. Den Spagat zwischen Wut, Verzweiflung und dennoch smartem Badass schafft sie problemlos und so gelingt ihr es, den Zuschauer immer wieder im sehr eindimensionalen Charakterpool zu verankern.

Was folgt ist das typische Genre-Prinzip und nach und nach verkleinert sich die Crew - teils auch herrlich fies. Dabei spielt William Eubank geschickt mit der Prämisse und holt aus dem Setting raus, was geht: Extreme Closeups der Charaktere in der Isolierung, eine Kamera, die oft nur Panik zeigt, dazu endlose Dunkelheit und ein gelungenes Cthulu-esques Creature-Design. Das CGI ist dabei nicht immer State-of-the-Art, aber es erfüllt den Zweck, den Zuschauer immer in eine unangenehme Grundstimmung zu verfrachten. Ich fühlte mich zumindest stetig unter Druck gesetzt und auch wenn ersichtlich ist, wie der Film enden wird, blieb eine gewisse Grundanspannung immer präsent.

Dabei half auch die ein oder andere schicke Slow-Mo-Spielerei, gepaart mit einigen wirklich guten Kamerafahrten und Sound-Effekten. Auch das Set- und Kostümdesign ist gelungen und dürfte vor allem Spieler an die GEARS OF WAR erinnern, was mir persönlich als Fan der Reihe echt sehr gefallen hat. Dazu verzichtet der Film überwiegend auf billige Jump-Scares, wenngleich er nicht komplett ohne auskommt, was aber zu verschmerzen war.

UNDERWATER ist ein "Plot"-Film, kein "Charakter"-Film. Er nagelt eine Situation an die nächste in einem Tempo, dass man selten die Chance hat, Luft zu holen oder das, was man sieht, zu hinterfragen - und das ist absolut in Ordnung. Die gesamte Prämisse ist die größte Stärke, aber auch Schwäche dieses Unterwasser-Trips: Der Film tut exakt das, was er tun soll. Nicht mehr, nicht weniger. Er bedient Tropes, aber überspannt den Bogen nie. Er liefert eine beklemmende Atmosphäre, versucht aber nicht, auch mal neue Ufer zu erreichen.

Aber all das ist ok. Es ist ein guter Film der ein deutlich größeres Marketing und Release-Fenster verdient hätte. Disney sah das leider wohl nicht so. Schade drum. Wer auch nur im entferntesten etwas mit SciFi-Filmen oder diesem Setting allgemein anfangen sollte, sollte versuchen, UNDERWATER auf der großen Leinwand zu sehen. Der Film hat es nämlich wirklich verdient - vor allem im Vergleich zu dem Mist, der sonst überlicherweise zu der Jahreszeit veröffentlicht wird.

On a scale from one to ten, how bad is my rig?

Phil liked these reviews