The Phantom Carriage

The Phantom Carriage ★★★★

Der längste Anti-Alkohol-Spot aller Zeiten, erster Corona-Aufklärungsfilm der Welt sowie gleichzeitig früheste Verfilmung von The Shining (noch vor Romanveröffentlichung), von der sogar Kubrick abgeguckt hat.

Nun gut, das hört sich lächerlich an und ist natürlich übertrieben (bis auf die Sache mit der Kubrick-Vorlage!), aber nachdem ich Der Fuhrmann des Todes gesehen habe, bleibt mir wirklich nur zu sagen:
Wow! Wo mich Stummfilme oft vor allem durch filmische Neuerungen, erzählerische Ideen, Opulenz oder optische Tricks überzeugt haben, bewegt sich das hier auf einer anderen Ebene.
Es ist nicht so, dass diese Elemente hier gänzlich fehlen würden, denn obwohl Der Fuhrmann des Todes tatsächlich optisch nicht so opulent und weitschweifend daherkommt wie vergleichbare Filme, sind doch sehr kompliziert zu erreichende Effekte eingesetzt worden. Das sieht man z. B. daran, dass sich die Figuren bei den geisterhaften Doppelbelichtungen wirklich durch den Raum bewegen und nicht bloß vor einem statischen Hintergrund agieren.
Auch die Erzähltechnik hat einige "Tricks" zu bieten. Denn die Vielschichtigkeit der Geschichte und die Beziehungen zwischen den Charakteren breitet sich erst im Laufe der Zeit immer mehr aus.
Was aber beim Fuhrmann deutlich wird:
Er ist relativ zurückhaltend inszeniert und verlässt sich auf seine Geschichte und die Figuren.
Diese sind von (tollen) Schauspielern und der Regie viel natürlicher agierend angelegt und werden von einer unaufdringlicheren Kamera mit ruhigerem Schnitt eingefangen, als es zu der Zeit überwiegend der Fall ist. Wo sonst übertriebene Schminke ein theatralisches Spiel unterstreicht und die Kamera starre Nahaufnahmen davon einrahmt, kommen hier Emotionen, Bewegungen und auch Motivationen weit weniger überzogen und künstlich an. Dadurch wird die normal erwartbare Distanz zum Geschehen in Stummfilmen erheblich kleiner.
Genau so ist auch die Ausstattung überzeugend, aber nicht auffällig – nicht überladen oder requisitenhaft – und schafft eine konstante Atmosphäre.

Das alles ist für einen so frühen Film sehr beachtlich! Vor allem, wenn man bedenkt, dass Victor Sjöström nicht nur für das Drehbuch und die Regie verantwortlich war, sondern auch noch eine der Hauptrollen spielte.

Gesehen mit dem, wie ich finde, sehr gelungenen Soundtrack von Matti Bye.

Unbedingt ansehen: KLICK (engl. Untertitel zuschaltbar)

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