Jojo Rabbit

Jojo Rabbit ★★★★

This review may contain spoilers. I can handle the truth.

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Zu Beginn möchte ich eine Bemerkung machen, JOJO RABBIT ist von seinem Regisseur nicht als "Anti War Satire" oder "Anti Nazi Satire" etc. bezeichnet worden. Waikiki nennt sein Werk eine "Anti Hate Satire". Der 2 WK ist imho hier als, mittlerweile pookulturell vereinnahmte, Metapher mit realen Bezügen zu sehen, nicht 'nur' als weiteres simples Drama über das dritte Reich. Es geht um den Hass, wo er herkommt was ihn befeuert.

Und eine Szene möchte ich als Beispiel hervorheben. Die aufwühlendste Szene, zumindest einige werden das wohl unterschreiben, ist jene in der Jojo (großartige Leistung von Roman Griffen Davis btw) seine hingerichtete Mutter entdeckt. Eine starke Szene, jedoch ehrlicherweise ist diese Wendung erwartbar gewesen. Für mich kommt die stärkste Sequenz im Anschluss, wenn er heimkehrt.

Er möchte dort, blind vor Trauer und Hass, Elsa töten. Mit diesem lächerlich hochgejubelten Messer, das von den Repräsentanten der Nazis hier fast schon zum Fetisch erhoben wird. Jojo könnte seine Verzweiflung auf vielerlei Arten zum Ausdruck bringen, er wählt den "einfachen Weg", er will das vernichten, was ihm von seiner Idiologie als das Böse schlechthin präsentiert wurde, die Jüdin. Jederzeit abrufbar als Sündenbock. Ihm als genehmes Opfer von jenen präsentiert, die davon profitieren. Es gibt für seine Wut ggü. Elsa keine Substanz (im Gegenteil, er beschmutzt hier das Andenken seiner Mutter) es ist halt der einfachere Weg. Ein Weg, der durch die herrschende Ordnung auch noch beklatscht wird. Es ist die Reaktion Elsas, die Hoffnung gibt, wenn man Hass nicht mit weiterer Eskalation begegnet, vielleicht ein Ausbruch aus der Spirale möglich ist.

Erwähnt muss an dieser Stelle noch Waikikis Darstellung des imaginären Kumpel-Hitlers von Jojo werden. Dieser wird als etwas verschusselter, nicht unsympathischer Typ dargestellt, dem man eigentlich nicht böse sein kann. Weswegen Jojo dieser Gestalt gewordenen Indoktrination auch gerne folgt, selbst wenn zwischen all den "Ha ha...dieser Hitler!"-Momenten die Botschaften beiläufig reingeflochten werden, die das Verderben bedeuten. Wenn man im Inneren das Unfassbare verinnerlicht, dann folgt man ihm bzw. macht es banal, bis die Grenze unrettbar verschoben wurde.

Es gibt noch eine Menge beklatschenwertertes. Der grotesk tragisch komische Kampfeinsatz der Kinder als Endform dessen, wo das alles hinführen kann. Einen Einsatz von Stephen Merchant, der ihn bedrohlich (!) wirken lässt. Und ein wunderschönes Ende.

Ein wunderbarer Film.