Godzilla: King of the Monsters ★★★★

Godzilla: King of the Monsters - I bow to you

Es gibt ihn. Es gibt immer einen. Diesen einen Blockbuster im Jahr, der noch so viel besser ist als alle anderen. Der mein Nervensystem einfach noch mehr in Schwingung bringt. Der die Haut kribbeln, die Muskeln wachsen und mich wieder zum Kind werden lässt. Zu diesem kleinen Jungen, der Sonntags vor der Glotze hing und sich auf Kabel 1 so gut wie jeden Kaiju-Streifen reingezogen hat, den der Sender aus diversen Lizenzdeals quetschen musste. Der seinen Opa damit beauftragt hat, „Frankenstein - Zweikampf der Giganten“ oder „Frankensteins Höllenbrut“ aus dem Nachtprogramm des ZDFs auf VHS aufzunehmen. Für den es nichts Schöneres gab als Gummi-Anzüge, die Miniatur-Metropolen zerstören. „Godzilla: King of the Monsters“ ist solch ein Blockbuster.

Gleich vorweg: ich respektiere den 2014er Godzilla von Gareth Edwards. Auch wenn er zu viel menschlich Uninteressantes und zu wenig gewaltig Monströses angeboten hat. Und ebenfalls gleich vorweg: "King of the Monsters" ist deutlich japanischer. Er ist der japanischste US-Godzilla, der bisher das Licht der Leinwand erblicken durfte. Das hat diverse Dinge zur Folge, die den Film flächendeckender atomisieren können als der Mittelstrahl von Godzillas Power-Atem. Die Story ist so abstrus wie nebensächlich. Sie springt von Geheimbasis zu Geheimbasis, liefert diverse Stichworte über diverse Gast-Stars, um diverse Dinge zu erklären, landet auch schon mal in einer Tiefseewelt und benutzt das Familienschicksal zwischen Vera Farmiga, Kyle Chandler und Millie Bobby Brown als mühsam emotionalen Anker. Das hat dann auch ein paar Rettung-in-letzter-Sekunde-Momente und unfreiwillig komische Gesichter zur Folge, die entweder gigantische Monster anschauen oder sich nach gigantischen Monstern umdrehen.

ABER EGAL. Es gibt fucking gigantische Monster. Und sie beißen sich, rammen sich oder schmeißen sich durch Eis, Luft und Beton. Da darf die Story auch gern Banane sein. Das waren all die Showa-, Heisei- oder Millennium-Filme auch. Und Michel Dougherty liebt diese Filme. Das lässt er seine Zuschauer mit jeder Minute spüren. Ob es nun bestimmte Namen, Gimmicks oder Orte sind, „King of the Monsters“ strahlt vor Respekt und Fan-Liebe. Aber viel größer ist: er glüht genau da vor Verehrung, wo er vor Verehrung glühen muss - mit jedem Auftritt von Godzilla. Wenn er durchs Eis bricht, fängt mein Herz an zu pumpen. Wenn er ergreifend (und berührend) neugestartet wird, schnürt sich mein Hals zu. Wenn er zu dieser mächtigen Musik (die Komponist Bear McCreary aus den alten "Godzilla“-Scores formt und donnert) dem Wasser entsteigt, stellen sich mir die Armhaare auf und fließen Tränen. Und selbst bei der 3. Sichtung wollte ich noch immer laut brüllend aufspringen, wenn er Ghidorah durch ein Hochhaus drückt.

Das mag jetzt alles Nostalgie-benebelt klingen. Mir ist auch bewusst, dass andere Filme unter der Last der hier angebrachten Kritikpunkte eher untergehen als standhalten würden. Daneben darf man gerne darüber streiten, ob hier wirklich genug oder noch zu wenig Kaijus fokussiert werden. Oder ob sich der Aufbau des Monsterverse noch gerade so akzeptabel oder eben angenehm organisch anfühlt. Und nachdem ich den Krawall nun schon mehrfach erleben durfte, muss ich auch sagen, dass in der 2. Hälfte zu viele Inhalte oder Locations abgearbeitet werden, so dass sich das Tempo ein wenig verzieht.

Doch damit kann ich mühelos leben. Eben wegen dieser majestätischen Bilder und Auftritte, die Dougherty hier präsentiert. Weil er immer wieder ein paar ausgefallene, zum Teil sehr dichte oder dynamische Perspektiven findet, die in ihrer Art an „Shin Godzilla“ erinnern. Weil er es nach all den Jahren schafft, auch Rodan ein paar Moves zu geben, die so cool wie vernichtend sind (Schraube). Weil er keine Angst vor Kitsch hat, der z.B. zu schönen Hommage-Momenten an die Mothra-Twins führt oder in Form von Ken Watanabes Dr. Ishirō Serizawa gleich mehrere Verweise auf die Film-Serie liefert. Weil die Action hier so herrlich wuchtig und vor allem übersichtlich inszeniert wird - mit Ausnahme des 1. Kampfes, der dann doch viel Schnee durchs Bild peitscht und etwas hektisch ist. Und weil es eben meine Kindheit ist, in die ich mit aller Macht zurückgeschleudert werde, wenn hier zwei Kolosse ineinander krachen.

Kurzum: Ein Film, der die Echse und ihr Erbe liebt. Der Mensch und Story echt japanisch antreibt. Der audiovisuell groß, wild und majestätisch ist. Und der gewaltig aufs Monster-Maul gibt. Was mir bleibt, ist eine Wiederholung: „Godzilla: King of the Monsters“ - I bow to you.

LeSchroeck liked this review