The Killer ★★★★★

Endlich im Extended Cut genossen - und folgende Momente noch mal neu in mein Herz geschlossen:

Dieser in rotes Licht getauchte Shot von Jeff in Minute 43, wie er lässig an dieser Tür mit den Lamellen rechts im Bild lehnt. Alain Delon hätte es nicht cooler gekonnt.

Die Enttäuschung, Belustigung und Trauer, die Jeffs Lachen und Gesicht gleichzeitig in Minute 45 ausstrahlen.

Der Zorn in seinem Blick bei Minute 48:30 und dieses bedrohliche Pan-Flöten-Thema, das hier in dieser Variation zum ersten Mal einsetzt.

Der Mexican Standoff während Jennie Tee serviert und die anschließende Jagd zum Dach bis wieder runter auf den Boden ist für mich immer noch großes Kino.

Der Gong, der bei Minute 92 erklingt und die kurze Montage einleitet, in der Lee die Wunde von Jeff mit Schwarzpulver ausbrennt

Das Gespräch zwischen Jeff und Lee ab Minute 93, das die Zwickmühle dieser Feind-Freundschaft noch mal auf den Punkt bringt, aber eben auch emotional aufbaut.

Gefolgt von ihrem Dialog ab Minute 97, der Jeffs tragische Freundschaft zu Sidney und ihre vertrackte Beziehung erneut emotional unterfüttert und verstärkt. Leider fehlt, dass sich Jeff zum Spender für Jennie erklärt, falls er sterben sollte. Trotzdem fühlt es sich wie die kitschige Ursuppe an, die später mal zu dem Kaffee werden sollte, den sich Pacino und De Niro beim Coffee Shop Talk in „Heat“ hinter ihre eiskalte Profi-Binden kippen.

Der Hero-Walk aus der Kirche raus bei Minute 113, aufgerüstet, Geldkoffer und Knarre in der Hand, Rauch wabert, Synths setzen ein, Tauben fliegen - herrlich.

Der Zoom in Minute 117, wenn die Kamera langsam zwischen Jeff und Lee auf Weng zufährt und wir Lees Knarre im Rücken sehen.

Danny Lees Träne in Minute 122.

Finale Gedanken: Obwohl der Extended Cut gut 20 Minuten mehr auf der Uhr hat, als die Version, die ich bisher kannte, hat er sich nicht auch nur eine Sekunde länger angefühlt. Weil ich entweder alles Neue fasziniert mit jungfräulichen Augen aufgesogen habe oder vom Rest nach wie vor einfach gebannt war. Auch wenn Woos spätere Filme deutlich sauberer und vor allem in ihrer Action noch durchdachter sind, geht mir „The Killer" immer noch eine Spur mehr ans Herz als der ebenso sehr verehrte "Bullet in the Head“. Sie gehen aber beide auch gnadenlos zu Ende.

Ansonsten bleibe ich bei jedem Wort: "Ich träume von einer Welt, die diesen Film genauso durchlebt und durchlitten hat wie ich." - Mit diesem Zitat aus einem kleinen Film-Magazin begann sie: meine Liebe zu John Woo. Und zu Chow Yun Fat, Tauben, Zeitlupen-Gewalt, dem Blei-Ballet, asiatischer Melodramatik, heldenhaftem Blutvergießen, Männern, die den Weg zu Ende gehen, Panflöten, beidhändigem Ballern, Sally Yehs "Shallow Drunk Life", dieser dynamischen Kamera, der Integrität, der Konsequenz oder dem Gefühl, einen Film gesehen zu haben, der mein Kinoleben wieder ein Stück verändert hat. A Masterpiece of Heroic Bloodshed. Punkt.

Ich liebe diesen Film.

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