Underwater ★★★

Tief im Marianengraben - 11 Kilometer unter dem Meeresspiegel - müssen Forscher einer Bohrstation um ihr Leben bangen. Aus einem unerfindlichen Grund hält die Anlage dem Druck nicht mehr stand, Wasser bricht durch jede eigentlich dicht geglaubte Stelle. Schnell sind ganze Abteile zerstört, sämtliche Tote schon nach den ersten Sekunden des Desasters zu beklagen. Norah (Kristen Stewart) ist eine der wenigen Überlebenden. Die Mechanikerin hat es im letzten Wimpernschlag noch fertiggebracht, sich in vorübergehende Sicherheit zu begeben, indem sie eine robuste Tür kurzschließen konnte. Jetzt heißt es, weitere Überlebende und den Auslöser für all das zu finden. Dröhnende, basslastige Geräusche aus dem dunklen Graben mahnen zur unentwegten Achtsamkeit und das Spiel gegen die Zeit beginnt.

Underwater macht sich bekannte in Horrorfilmen verwendete Elemente solide zunutze. Abgeschottet von der Außenwelt zu sein, war schon immer eine Angst, die furchteinflößende Streifen in bedrückenden Szenarien einsetzten. Dieses Mal ergänzt jedoch eine weitere, erfrischende Komponente die eingefangene Isolation. Es ist die Angst vor den abyssischen Gewässern, welche man als Kind hatte oder bis ins Erwachsenenalter behält, dass irgendetwas Gigantisches da unten lauern könnte und nur auf den richtigen Moment wartet, einen hinabzuziehen. Nur kann Norah nicht einfach ans Ufer schwimmen, sich unter Wasser zu bewegen, liegt nicht im Element des Menschen: Underwater stellt den wahrgewordenen Alptraum ebendieser Furcht dar – und das über weite Strecken äußerst solide.

Mit Vorgeplänkel wird keine Zeit verschwendet, kaum ist Norah in der ersten Einstellung zu sehen, platzt das Wasser aus allen Rohren. Zischend reißt es alles und jeden fort, der nicht instinktiv sofort handelt. Feuchte, klaustrophobisch eingefangene Gänge und dämmernde Notleuchten sind das hochwertige visuelle Resultat. Insgesamt ist Underwater eine ästhetische Wucht, sowohl vom Set-Design als auch in seinen nachträglich eingefügten Effekten. Grobe technische Schnitzer erlaubt sich der Film nicht, fürs Erste jedenfalls.

Durch die rasante Einführung von Norah bleibt lediglich das Mitgefühl für die Figuren oftmals auf der Strecke. Bei einem Horrorfilm, in dem das Überleben oberste Priorität genießt, sollte mindestens eine Figur als Sympathieträger herhalten. Stewart selbst reicht mit ihrer Leinwandpräsenz da gerade mal für das Minimum, ihre Figur gibt schlicht mehr nicht her. Die Chemie der Darsteller leidet darunter jedoch nicht. Vincent Cassel unter anderen an der Seite von Stewart zu sehen, ist eine famose Casting-Entscheidung gewesen.

Als deutlich störender entpuppen sich aber die schlecht eingefangenen, teils jegliche Orientierung verwehrenden Gruselszenen. Wenn es mal in der primitiven Geschichte zur Sache gehen soll, besteht der Höhepunkt des Öfteren aus billigen Jump-Scares oder hektischen Kameraeinstellungen, die durch mangelnden Fokus nichts Halbes und nichts Ganzes präsentieren. So verbaut sich Underwater leider an wenigen Stellen seine Spannung. Furchteinflößend bleibt die omnipräsente Bedrohung trotzdem, welche erst sehr spät konkret gezeigt wird. Hervorragende Aufnahmen von nassen, engen Korridoren und sperrigen Taucheranzügen glätten ebenfalls im Handumdrehen die Malheure. Darüber hinaus befriedigt das Ende der flockigen 95 Minuten Laufzeit, welches konsequenter daherkommt als erwartet.

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