Enola Holmes ★★½

Enola (das ist „alone“ rückwärts) wurde von ihrer Mutter Eudoria (Helena Bonham Carter) in Geschichte, Sport und Decodieren unterrichtet. Aber als Eudoria verschwindet, muss Enola sich mit ihren beiden Brüder auseinandersetzen, dem soziopathischen Sherlock und dem chauvinistischen Mycroft. Um einem Schicksal zu entkommen, das für sie schlimmer ist als der Tod - Miss Harrisons Mädchenschule -, flieht Enola nach London und trifft unterwegs auf den jungen Lord Tewksbury, der vor seiner aristokratischen Familie und einem Attentäter ebenfalls auf der Flucht ist. 

Und auch wenn Enola am Ende des Films noch immer nicht weiß, was sie mit ihrem Leben anfangen soll, hat das Ganze zumindest ihre Überzeugung gestärkt, dass sie niemanden - insbesondere keinen Mann und definitiv keinen Mann namens Holmes - diese Wahl für sie treffen lassen wird.

Das Abenteuer von Regisseur Harry Bradbeer wird mit mehr Energie ausgeführt als jeder der jüngsten Blockbuster von Guy Ritchie und mit Henry Cavill hat es auch einen zumindest höflicheren Sherlock als Robert Downey Jr.. An Millie Bobby Brown als Enola gibt es nichts auszusetzen. Sie macht ihre Sache  sehr gut und sie kann sich auch von ihrer Rolle aus Stranger Things total emanzipieren.

Anscheinend kommt aber in letzter Zeit kein neuer Film ohne Kontroverse aus. So auch hier. Die Erben von Conan Doyle haben diesen Sommer Netflix verklagt, da ihrer Meinung nach „Enola Holmes“ gegen das Urheberrecht verstößt, weil Sherlock in diesem Film so „emotional“ dargestellt wird. 😂

„Enola Holmes“ kann sich aber nicht entscheiden, wer sein Publikum sein soll. Für jüngere Zuschauer werden wahrscheinlich einige Szenen zu brutal und der Film um mindestens 20 Minuten zu lang sei. Für Erwachsene auf der anderen Seite,  ist die Handlung aber nicht ausgereift oder kohärent genug. Auch die Beziehung zwischen Enola und dem Lordchen kann sich nicht zwischen Freundschaft und Flirt entscheiden und bleibt dadurch trübe und langweilig.

Der zu klärende Fall und dessen Auflösung ist, nah ja, sagen wir, er hat mich nicht vor Spannung beben lassen und auch das flüchtige Interesse des Films am Parlamentsreformgesetz von 1884 streift nur vage die politische Geschichte ohne jemals zu erklären, worum es eigentlich geht. Da hat man in „Mary Poppins“ mehr darüber erfahren. 

„Enola Holmes“ ist aber trotzdem witzig und unterhaltsam genug, dass sie sich eine Fortsetzung verdient hätte. Und bei einem Wiedersehen, ist Sherlock, ob emotional oder nicht, wieder aufgefordert, sich erneut vom Rampenlicht fernzuhalten.

Fall abgeschlossen.

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