Underwater ★★★★½

This review may contain spoilers. I can handle the truth.

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Liebesbriefe an die Nostromo

Im Jahr 2050 hat sich irgendein großer Konzern am Meeresboden etabliert und bohrt nach Öl. Nicht irgendeine Stelle, nein, im Marianengraben, dort wo die tiefsten Tiefen der Erde existieren. Und wir tauchen mit hinab, in die Untiefen, wo sich Ungeheuerliches zuträgt...

Es ist recht leicht, diesen Film abzukanzeln, ihm Sachen vorzuwerfen. Warum trägt Kristen Stewarts Norah nicht wenigstens etwas mehr Kleidung? Wieso hat sie quasi stets eine Lösung? Haben wir diese Geschichte nicht schon x-fach erzählt bekommen?

Oder man genießt dieses wogende Unterwasserabenteuer, welches für mich die quasi perfekte Alien-Kopie ist. Ripley heißt jetzt Norah und ist blond, wirkt aber ähnlich überlebenswillig. Aus der Nostromo ist eine Unterwasserstation geworden, beide sehen gelebt aus. Wenn in den Innenaufnahmen auf visuelle Effekte gesetzt worden sein sollte, dann Chapeau! Denn meist entsteht der Eindruck echter Bühnen, die man hier aufgebaut hat und die das Mittendrin-Gefühl verstärken. So wie ich auf dem Raumfrachter das Gefühl hatte, die Knöpfe und Tasten würden tatsächlich Aktionen auslösen, so glaube ich auch hier, dass über die verschiedenen Bedienoberflächen tatsächlich Schleusen geöffnet und Türen verriegelt werden. Wundertoll, das erzeugt eine stimmige Atmosphäre.

Über Kristen Stewart will ich gar nicht großartig Worte verlieren, da ich sie ohnehin ein bisschen zu sehr anbete. Ohnehin macht sich die Darstellerriege ganz ordentlich (soweit in der Synchro abschätzbar). Weder stören mich die Sprüche klopfende Paxton-Kopie von T.J. Miller noch die äußerst aufgekratzte, panische Jessica Henwick. Denn sie alle wirken auf mich glaubhaft darin, wie sie mit der Situation umgehen.

Und dann sind da die ganzen Alien-Dinge. Die Station hatte ich ja schon angemerkt. Die Entdeckung von unbekanntem Leben wirkt wie aus dem 1979er Film, wobei man den ersten Auftritt dann dezent anders gestaltet. Beinahe eins zu eins nachgestellt (hier müsste ich wirklich mal die Bilder nebeneinander laufen lassen) ist die "Kapitän geht in die Lüftungsschächte"-Szene, welche hier anschließend allerdings noch etwas verlängert wird.

Wenn mir bei diesem Film überhaupt etwas tatsächlich nicht geschmeckt hat, dann wohl die Existenz der unbekannten Wesen. Wobei, wohl eher die Tatsache, dass man sich für diese Formen entschieden hat. Ich hatte mehr auf überdimensionierte echte Tiere gehofft. Vom gigantischen Kraken bis zum übergroßen Kugelfisch. Wahrscheinlich hätte ich Geschehen dann als noch glaubwürdiger empfunden. Aber das ist Erbsenzählerei auf hohem Niveau.

Interessant auch, welche Figuren sterben und wer überlebt. Wie symbolisch ist es, dass ausgerechnet Mamoudou Athies Rodrigo zuerst - und im Laufe der Szene so erwartet wie ekelig - abtritt? Was für eine Botschaft trägt der Film in sich, wenn das Liebespaar am Ende an die Wasseroberfläche gelangt, während sich ein verwaister Elternteil längst verabschiedet hat und auch die äußerst fähige Maschineningeneurin zurück bleibt? Steckt da was drin?

Was mich tatsächlich ziemlich begeistert und auch etwas überrascht hat, war die Solidarität der Figuren untereinander. Es gab kaum so etwas wie einen Einzelgänger/Draufgänger, der besserwisserisch daherkam. Häufig war schnell klar, wer welche Aufgaben übernimmt - und welche nicht. Immer wieder wirkten die Menschen geradezu selbstlos. Sei es der übergebene Helm oder die Aufforderung loszulassen. Gefühlt wollte jeder nicht einfach seinen eigenen Hintern retten, sondern die Gemeinschaft.

Wie ist das Ende zu deuten, in unserer Zeit, in der wir längst wissen, wie endlich die Rohstoffe des Planeten, wie unendlich die Gier nach Wohlstand und Luxus sind? Ist das eine billige Pointe, ein zynischer Blick, ein Fortsetzungsköder oder bittere Realität, wenn auch in die nahe Zukunft verlegt?

Ich halte es für äußerst bedauerlich, dass diese düster-feuchte Perle in den Kinos leider nur sehr klein leuchten darf. Und bin ganz eigensinnig äußerst erfreut, ihn dort gesehen zu haben.

Max liked these reviews