The Phantom Carriage

The Phantom Carriage

Niki & Lorenzo Weekly-Filmclub #15 | The Phantom Carriage | Ausgewählt von Lorenzo | Lorenzos Review


Der wahrhaftige Tod ist der Moralismus.

"Warum wendest du dich ab? Ich bin selbst schwindsüchtig, aber huste in die Gesichter der Menschen, in der Hoffnung dass sie daran sterben. Warum sollten sie besser dran sein als wir?"

Die filmische Revolution, etwas mehr im technischen als im inhaltlichen Sinne, begann in den 20ern. Sjöström und Christensen, welch ein Wunder keine Amerikaner, legten Grundsteine für das Kino der Zukunft, das Horrorkino, den Science-Fiction-Film. Der Fuhrmann des Todes von Sjöström orientiert sich überdeutlich an historischen Sagen; eine kurze und prägnante Erzählung vom Leben, nicht ohne erleuchtende Pointe, wird durch ritterliche Geschichten, ausgesprochen im Hinterhof oder der Straße, bis ins Unermessliche aufgebauscht und dramaturgisiert. Demzufolge hat man es in Sjöströms Drama nicht unbedingt mit komplexer Narrative, sondern simpler und strukturierter Manifestation des alltäglich-Abergläubischen zu tun.

Der Tod ist omnipräsent, der Protagonist, der Leitfaden. Die Bösen und Argen holt er, die die sich nicht zu benehmen versuchen, die die ihre Mitmenschen zu Tode triezen. Doch ist er so barmherzig wie er nach solch Moral erscheinen mag? Er ist es nicht, den liebenden, fröhlich lebenden Menschen schenkt er Respekt, doch keinen, den Taten der Menschen folgen sollenden, Benefit. Man winselt und bettelt vergeblich um Aufschub des Abtritts; wenn der Tod vor der Tür steht, geht er nicht mehr fort.

Doch wo bleibt der von mir erwähnte Moralismus im Film, wenn doch der Tod sich ihm nicht bediente. Er steckt im Wort, im gesprochenen Wort der Lebenden, im keifend vorgetragenen Slang des todkranken David Holm. Dort wo der Tod nicht einzugreifen vermag, ist die Moral die Obrigkeit. David, letzten Endes geläutert dem Tode entronnen, pöbelt sich von Ort zu Ort, zieht sich am Elend der umherwandernden Seelenlosen hinauf, spuckt ins Essen, zerschmettert Harfen der Freude, nur des Hasses wegen. Er zerfrisst ihn, im Kopf nicht mehr bei Sinnen, lässt David die Moral seinen Körper vereinnahmen. Es war seine Rettung, diese seelische und körperliche Enteignung, doch David wird nie wieder David sein.

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