Annette

Annette ★★★★

"Annette" war ein Sprung ins kalte Wasser: ich wusste nur,
dass Leos Carax (Holy Motors) Regie führte und es sich um eine Art düsteres Musical handelt.

Sehr wahrscheinlich ist "Annette" der bestaussehendste Film, den ich seit langer Zeit gesehen habe. Die coole und düstere Bildästhetik zog mich von Anfang an in ihren Bann - und ich wünschte mir während dem Anschauen mehrmals, dass ich irgendwann mal einen Giallo in dieser Bildästhetik genießen werde.

Entgegen meiner Erwartungen sind die Songs und der Score sehr gut, und auch wenn bis vor 2-3 Jahren mein Interesse für Musicalfilme kaum vorhanden war, finde ich mittlerweile diese Art, eine Geschichte zu erzählen, sehr spannend, weswegen ich dieses Genre zukünftig im Auge behalten werde.

Mit Sicherheit ist die Geschichte kein Novum oder die größte Stärke des Films, aber dennoch bleibt sie spannend und dient nicht nur als Vehikel für Musik und Tänze.

Allgemein wird in "Annette" erstaunlich wenig getanzt, aber wie erwartet sehr viel Gesungen. Und somit komme ich zu meinem Hauptkritikpunkt. Denn auch wenn "Annette" eine ästhetische und auditive Wucht ist, fehlen mir die visuellen Höhepunkte, die mir das fantastische Filmplakat suggerierte.
Zwar ist die Plakatszene vorhanden und berauschend und es gibt auch abseits dieser Szenen wundersame Kulissen/Szenen und visuelle Spielereien, aber ich hätte mir unter "Annette" einen wilden Tanz quer durch die Naturgewalten vorgestellt/gewünscht, was "Annette" aber nicht ist. Stattdessen begeistert "Annette" mit atemberaubender Ästhetik, schöner Musik, einer spannenden Handlung und seinen beiden großartigen Hauptfiguren bzw. Hauptdarsteller*innen Adam Driver und Marion Cotillard. Vor allem Adam Driver bewegt sich als kontroverser Comedian Henry McHenry, der eifersüchtig auf die erfolgreichere Karriere seiner Frau, die Opernsängerin Ann (Marion Cotillard), ist, in einem Wechselbad der Gefühle und kann sich in dieser Rolle so richtig austoben.

Generell halte ich Adam Driver für einen erstaunlichen Darsteller, und zwar nicht nur wegen seinem enormen Talent und Charisma, das er in "Annette" wie wahrscheinlich noch nie zuvor zur Schau stellt, sondern auch wegen seiner Rollenauswahl. Denn wenn ich mir Adam Driver so ansehe, assoziiere ich ihn eher mit Rollen wie dem missverstandenen, unscheinbaren und chaotischen Protagonisten, der sich am Ende als Held und/oder die wahre große Liebe entpuppt. Aber tatsächlich funktioniert er auch besonders gut als Antiheld/Schurke - was ich dieses Jahr sogar zweimal erleben durfte.

"Annette" ist pures Kino, von dem ich mir zwar ein paar zusätzliche visuelle Exzesse gewünscht hätte, aber mich ansonsten in sämtlichen Facetten überzeugte, und dank dem ich nun Lust habe, mich intensiver mit Musicals und Leos-Carax-Filmen zu beschäftigen.

Block or Report

Christian liked these reviews