The Flat

The Flat ★★★★

Wie mit dem merkwürdigen Gefühl umgehen, dass die eigenen jüdischen Großeltern selbst nach dem Zweiten Weltkrieg und den Verbrechen der Shoah weiterhin mit einem deutschen SS-Offizierspaar befreundet waren?

Der israelische Filmemacher Arnon Goldfinger geht diesem ambivalenten Gefühl nach und begibt sich mithilfe von Relikten aus der Wohnung der toten Großmutter Gerda auf die Spuren seiner eigenen Geschichte und beleuchtet dabei eine von vielen bemerkenswerten deutsch-jüdischen Geschichten. Ohne anzuklagen, ohne zu verurteilen, sondern mit viel Feingefühl nähert er sich dabei den inneren Konflikten, die auch bei den Nachkommen des Nazifunktionärs Baron Leopold von Mildenstein zu spüren sind. Die Beschäftigung mit der gemeinsamen Familienhistorie lässt persönliche Begegnungen der Nachfahren zu und bei der Recherche kann plötzlich eine Freundschaft zwischen Filmemacher Goldfinger und der Tochter des ehemaligen SS-Offiziers entstehen - die gemeinsame Vergangenheit öffnet aber auch alte Wunden und stellt alle Beteiligten vor zentrale Fragestellungen des Lebens: Wie geht man mit der Vergangenheit um? Möchte man sich der eigenen Familiengeschichte nähern, auch wenn sie Unschönes ans Tageslicht bringt? Und kann es überhaupt eine Koexistenz zwischen den persönlichen Erfahrungen mit Menschen und ihrer verborgenen, dunklen Seite geben?

Ein zutiefst menschliches und mutiges Familienportrait - aber auch ein wichtiges Zeitdokument, dass die Grauzonen zwischen Opfern und Tätern sichtbar macht und einen großen Beitrag zum Verständnis einer Zeit liefert, die für uns immernoch so schwer zu begreifen ist. Abseits von Massenmord und Schuldfragen widmet sich Goldfinger den Gefühlswelten der zweiten und dritten Generation und belebt für einen Augenblick das, was die Täter unwiederbringlich vernichten wollten: Das jüdische Leben in Europa und ein gemeinsames deutsch-jüdisches Erbe.