Dolemite Is My Name ★★★★½

Nach etwas harzigem Start hat mich «Dolemite Is My Name» in der Schlussphase doch gänzlich gewinnen können. Der Film trägt sein Herz definitiv am rechten Fleck!

Harziger Einstieg zum einen, weil ich weder in der Evolution der US Comedy Szene noch in der Blaxploration ziemlich bewandert bin. Dem «cuss humor», der zu der Zeit der wohl neue «heisse Scheiss» war, kann ich selbst nicht so viel abgewinnen.
So geriet der Anfang etwas zäh. Diese Phase ist aber schnell überwunden und spätestens wenn seine Karriere ins Rollen kommt, gibt es genug interessante Verlagerungen welche mich mit Leichtigkeit interessiert hielten.

Es hat sicher geholfen, dass ich weder die Figur noch die geschichtlichen Hintergründe gekannt habe. So fiebert man mit Dolemite mit und hofft, dass er seinen Erfolg bekommt. Dies weil die Figur sympathisch und authentisch geschrieben wurde. Und natürlich, weil Eddie Murphy grossartig aufspielt. Die Rolle ist ihm geradezu auf den Leib geschneidert. Jedoch nimmt er sich verglichen zu seinen früheren Actionfilmen schon etwas zurück, was der Darstellung guttut.

Obwohl Dolemite im Kern nicht viel anders macht als andere Biopics, versucht er doch die Sentimentalitäten nicht ganz so fest zu befeuern wie andere Werke. Auch versucht man hier nicht mit billigen Gags oder schnellen Pointen zu punkten. Man kann sicher kritisieren, dass der Film nicht alle Aspekte von Dolemite ausleuchtet, viele Einblicke in sein Privatleben gibt es indes nicht. Jedoch hätte der Film da sicher auch keine aufregenden neuen Erkenntnisse präsentiert. In diese Biopic Falle tappt Dolemite also nicht. So sieht man den Hauptdarsteller zumeist in seinem arbeitstechnischen Umfeld. Mir haben auch die Nebenfiguren allesamt sehr gut gefallen. Die Beziehungen untereinander sind liebevoll und nachvollziehbar geschrieben. Das Ganze hat Charme, und wie oben geschrieben Herz.

Der Streifen ist toll inszeniert, ausgestattet und hat einen klaren roten Faden. Es wirkt einfach alles einen ticken stimmiger als beim Disaster Artist. Die Gratwanderung zwischen Witz und Drama geht die Netflix Produktion gekonnt.

So kann ich das Werk durchaus empfehlen. Es mutet schon etwas seltsam an, dass ich Stand Ende Oktober nun wohl zwei Netflix Filme in meinen Top10 stehen habe. Hinter beiden kann ich aber bedingungslos stehen. Vielleicht kriege ich ja den Parasite noch hin. Mal schauen.

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