Another Round ★★★★½

Thomas Vinterberg präsentiert mit "Another Round" eine der außergewöhnlichsten Drama-Komödien der letzten Jahre, denn wo andere Filme übermäßigen Alkoholkonsum für Gags verwerten, da zeigt der vom 'Europäischen Filmpreis (2020)' vierfach ausgezeichnete Film die harte Realität auf.

Was mit viel Freude und Unbeschwertheit beginnt, entwickelt sich schleichend, für außenstehende jedoch bestens merklich, zu einer wahren Tortur. Die Auswirkungen von Alkohol, positiv wie negativ, sollten den meisten von uns bekannt sein, doch manchmal ist der Drahtseilakt zwischen den zwei Extremen kein leichtes. In "Another Round" wird aus einem mehr oder minder harmlos wirkenden Experiment - es soll ein permanenter Alkoholpegel in fünf von sieben Tagen der Woche aufrechterhalten werden - ein Besuch in die unschöne Welt von werdende Alkoholikern. Die Folgen übermäßigen Alkoholkonsums für das soziale Umfeld werden ernsthaft behandelt und von den komödiantischen Elementen nicht verdrängt, was eine gigantische Stärke des Films ist. Obgleich der Fokus durchgehend auf Martin liegt, bekommen auch die drei engen Freunde von ihm, mit welchen das Experiment durchgeführt wird, genügend einzelne Screentime, welche wiederum die Breite der Handlung sichern.

Mads Mikkelsen zeigt eine gewohnt bärenstarke Performance, die durchaus das Potenzial hat, als eine der besten des Jahres bezeichnet zu werden. Von Freude über Wut und Trauer, bis hin zu sämtlichen sich dazwischen befindenden Regungen: Mikkelsen spielt makellos. Der unterstützende Cast, allen voran Ranthe, Millang und ganz besonders Larsen, spielt ebenfalls durchweg sehr gut. Intensiv ist die Freundschaft der vier von den oben genannten Herren verkörperten Figuren und die Chemie der Darsteller sorgt für einen überaus authentischen Eindruck ihres Daseins. Da es auch an Figurentiefe keineswegs mangelt, sitzen die schmerzhaft real inszenierten dramatischen Szenen umso besser - in jedem einzelnen Fall.

Kamera, Schnitt, Sound Design und Soundtrack harmonieren hervorragend und bilden oft eine Einheit. Ohne das eine, würde das andere nicht so gut funktionieren und auch an dieser Stelle zeigt sich abermals Vinterbergs Klasse als Dirigent des Geschehens. Wundervolle Bilder, ein absolut fantastischer Schnitt und ein fein bearbeiteter Ton, welcher einige Szenen unheimlich viel Kraft verleiht, ziehen einen stets in den Bann. Der Soundtrack verpasst dem ganzen dann den Feinschliff: zwischen klassischer Musik und modernem Pop werden stets passende Stücke zur Untermalung der einzelnen Szenen gefunden und vermitteln ab und an den Eindruck, man schaue ein Musikvideo.

"Another Round" ist abschließend also als ein unheimlich starker Film zu bezeichnen, welcher den Zuschauer durchgehend fesseln kann und, obgleich sie nicht sonderlich neu ist, eine wichtige Message nach außen trägt. Wo andere Filme aus Angst davor, den Zuschauer zu verlieren, abblenden, da fängt "Another Round" erst an.

9.0/10

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